Die World Series of Poker 2026 ist Geschichte — und für viele Spieler verlief sie ernüchternd. Coach und Profi Alexander Fitzgerald hat fünf konkrete Übungen zusammengestellt, mit denen sich das bis zum nächsten Sommer ändern lässt. Von der Bereitschaft zum Re-Entry über aggressivere 3-Bets aus dem Big Blind bis zum konsequenten Tracking der eigenen Bluffs: Wir fassen seine Empfehlungen zusammen und ordnen sie ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Re-Entry-Mentalität: Wer nur eine Patrone einplant, spielt berechenbar und wird ausgenutzt.
- 3-Bets aus dem Big Blind: Eine der laut Fitzgerald am meisten unterschätzten Situationen im modernen Poker.
- Thin Value: Bei verpassten Draws größere River-Sizings testen statt Standard-Bets.
- Tracking: Hero Calls und Bluffs schriftlich festhalten — „Du kannst nicht reparieren, was du nicht misst.”
1. Mit der Bereitschaft zum Re-Entry spielen
Viele Spieler bringen sich selbst in Nachteil, indem sie Re-Entry-Turniere betreten und sich dabei einreden, sie würden nur ein einziges Buy-in investieren. Das Problem: Die Gegner spüren irgendwann, dass jemand nicht bereit ist, seinen Stack zu riskieren — und probieren entsprechend mehr Bluffs. Wer selbst blufft und falsch liegt, kann sich schlicht neu einkaufen; wer diesen Rückhalt nicht hat, spielt mit angezogener Handbremse.
Fitzgeralds Übung: Sage dir vor dem Kauf, dass du bereit sein musst, vier Entries zu feuern. Ob du sie am Ende brauchst, ist zweitrangig — es geht um die Spielweise. Trainiere, mit Combo-Draws stärker Druck zu machen, dünnere Value-Bets zu wagen und größere Sizings zu nutzen. Kurz: Gewöhne dich daran, so zu spielen, als hättest du Munition.
2. Häufiger aus dem Big Blind 3-betten
Fast alle Spieler callen laut Fitzgerald zu viel aus dem Big Blind — und spielen die Situation danach schlecht. Es gebe reichlich gute Inhalte über häufigeres Flatten und Check-Raisen aus dieser Position. Sein Vorschlag geht in eine andere Richtung: öfter groß 3-betten und beobachten, wie oft postflop Folds kommen.
Der Punkt dahinter: Viele Gegner callen preflop und haben danach schlicht keinen Plan — selbst mit Positionsvorteil. Genau solche Spots, in denen die Konkurrenz wenig studiert hat und schnell unwohl wird, sollte man laut Fitzgerald angreifen.
3. Bei verpassten Draws dünner auf Value setzen
Wenn auf dem Board ein Draw verpasst wurde und der Gegner selbst eine Value-Hand hält, tippt er besonders gern auf genau das: einen verpassten Draw. Und wer sich diese Lesart einmal zurechtgelegt hat, callt anschließend deutlich zu häufig.
- Größere Sizings testen: Wer bislang halben oder zwei Drittel Pot setzt, sollte am River mehr wagen.
- Die Grenze ausloten: Vielleicht callen deine Gegner drei Viertel Pot, vielleicht vollen Pot, vielleicht sogar All-in — das musst du herausfinden.
- Warum es zählt: Wer immer dieselbe bequeme Größe wählt, wird die Obergrenze nie kennenlernen.
4. Erfasse, wie viele deiner Hero Calls richtig sind
Manche Spieler haben die Gabe und picken Bluffs regelmäßig ab. Die meisten aber nicht — schlicht deshalb, weil die meisten Gegner zu wenig bluffen. Wer regelmäßig callt und dann den Gewinner gezeigt bekommt, sollte das über sich wissen, bevor die nächste WSOP ansteht.
Was Fitzgerald zu notieren empfiehlt:
- Die konkrete Situation und den Spielertyp
- Die Linie, die der Gegner gewählt hat
- Vor allem: ob du gecallt hast, weil die Logik stimmte — oder weil du frustriert warst
„Du kannst nicht reparieren, was du nicht misst”, bringt es der Coach auf den Punkt.
5. Erfasse, wie oft deine Bluffs funktionieren
Auch hier gilt: Einige haben ein untrügliches Gespür dafür, wann Gegner folden. Viele andere verschleudern schlicht Chips im Tilt und reden sich hinterher ein, es sei trotzdem ein guter Bluff gewesen — man habe nur Pech gehabt, dass der Gegner eine Hand aufnahm. Vielleicht stimmt das. Vielleicht aber auch nicht.
Fitzgerald rät, bei jedem Bluff Board, Spielertyp, Stackgrößen, gewählte Sizing und die Schlüssigkeit der eigenen Linie festzuhalten. Wer diese Hände über einige Monate hinweg auswertet, erkennt zuverlässig, ob er tatsächlich gut blufft — oder ob hier vor der nächsten Serie Arbeit ansteht.
Einordnung & Analyse: Warum diese Tipps funktionieren
Fitzgeralds Liste hat einen roten Faden, der über einzelne Techniken hinausgeht. Erstens zielen die ersten drei Punkte allesamt auf dasselbe Grundproblem: übermäßige Vorsicht. Ob zurückhaltendes Buy-in-Verhalten, passives Big-Blind-Spiel oder immer gleiche River-Sizings — in jedem Fall verschenkt man Value, weil man in der Komfortzone bleibt. Gegner lesen solche Muster mit der Zeit und nutzen sie aus. Zweitens sind die beiden Tracking-Punkte der eigentliche Kern: Ohne ehrliche Daten über die eigenen Entscheidungen bleibt jede Selbsteinschätzung Spekulation. Gerade die Unterscheidung zwischen einem logisch begründeten Call und einem Frust-Call ist eine unbequeme, aber wertvolle Erkenntnis.
Für deutschsprachige Turnierspieler lassen sich die Empfehlungen gut auf heimische Serien übertragen — etwa auf Festivals in Rozvadov oder österreichische Events. Ein wichtiger Zusatz aus unserer Sicht: Die Re-Entry-Empfehlung setzt zwingend solides Bankroll-Management voraus. Sich vorzunehmen, „vier Entries feuern zu können”, ergibt nur Sinn, wenn diese vier Buy-ins tatsächlich zur Bankroll passen — andernfalls wird aus einem strategischen Vorteil schnell ein finanzielles Risiko. Wer das beachtet, findet in Fitzgeralds Liste einen praktikablen Trainingsplan für die Monate bis zur nächsten WSOP.
Glücksspiel kann süchtig machen. Teilnahme ab 18 Jahren. Spiele verantwortungsbewusst. Setze nur Beträge ein, deren Verlust du dir leisten kannst.

