Die All Time Money List des Hendon Mob ist der einzige verlässliche öffentliche Maßstab für Turniereinkünfte im Poker. Sie misst, was ein Spieler in offiziell erfassten Live-Turnieren gewonnen hat — keine Cash Games, keine Online-Gewinne, keine Sponsoring-Einnahmen. Was sie damit zeigt, ist der sichtbare Teil eines Eisbergs. Trotzdem ist sie das Beste, was die Szene an Transparenz zu bieten hat.
Stand April 2026 führt Bryn Kenney die Liste mit über 80 Millionen US-Dollar an. Ein Meilenstein, den vor ihm noch niemand erreicht hatte.
Bryn Kenney: Über 80 Millionen — ein historischer Rekord

Der New Yorker Bryn Kenney überschritt Ende 2025 beim WSOP Paradise Super Main Event als erster Spieler überhaupt die 80-Millionen-Dollar-Marke in Live-Turniereinnahmen. Sein größter Einzelcash stammt aus dem Jahr 2019, als er bei der Triton Million for Charity in London nach einem Heads-up-Deal 20.563.324 US-Dollar kassierte — die höchste Einzelauszahlung in der Geschichte des Live-Pokerturniers.
Kenney ist kein Spieler, der auf einem einzigen Ergebnis beruht. Allein bei Triton-Events hat er über 48 Millionen US-Dollar angehäuft und ist damit der größte Gewinner in der Geschichte dieser Serie. Sein Spielstil ist aggressiv und intuitiv — er geht mehr als andere nach Gefühl, kombiniert mit tiefer ICM-Kenntnis. Abseits des Tisches betreibt er eine Staking-Operation und gründete die Pokerplattform 4Poker. Seine Karriere war nicht ohne Kontroversen: 2022 erhob ein ehemaliger Stallkollege schwere Vorwürfe über unethisches Verhalten in Online-Spielen. Kenney bestritt alle Anschuldigungen.
Justin Bonomo: Drei Bracelets, über 65 Millionen

Justin Bonomo, einst ein professioneller Magic-the-Gathering-Spieler, hat mit über 65 Millionen US-Dollar an Live-Einnahmen eine der außergewöhnlichsten Karrieren im modernen Poker. Drei WSOP-Bracelets, zahlreiche Triton-Cashes und eine globale Präsenz bei jedem großen High-Roller-Festival. Bonomo hatte selbst kurzzeitig die Spitze der All Time Money List inne, bevor Kenney ihn überholte.
Stephen Chidwick: Englands technisch stärkster Spieler

Stephen Chidwick, gebürtiger Engländer, gilt als einer der technisch präzisesten Spieler seiner Generation. Mit weit über 60 Millionen US-Dollar an Live-Einnahmen ist er der am schnellsten aufholende Spieler hinter Kenney und könnte in den nächsten Jahren an die Spitze rücken. Zwei WSOP-Bracelets, beide in Pot-Limit-Omaha-High-Rollern, belegen seine Vielseitigkeit. Chidwick wurde außerdem für seine Offenheit in Bezug auf mentale Gesundheit bekannt — er teilte öffentlich mit, dass er wahrscheinlich bipolare Kriterien erfüllt, ohne eine formale Diagnose.
Jason Koon: Der Triton-Spezialist

Jason Koon hat mehr als 59 Millionen US-Dollar in Live-Turnieren gewonnen und hält einen einzigartigen Rekord: zehn Titel bei der Triton Poker Super High Roller Series — mehr als jeder andere Spieler. Fast die Hälfte seiner Gesamteinnahmen stammt aus Triton-Events allein. Koon ist bekannt für psychologische Kriegsführung am Tisch und mathematische Präzision in Hochdrucksituationen, kombiniert mit einer Karriere im Poker-Coaching und in den Medien.
Dan Smith: Vom Schach zum Poker
Dan Smith, ehemaliger Profischachspieler, hat über 57 Millionen US-Dollar in Live-Turnieren angesammelt. Allein bei Triton-Events gewann er fast 23 Millionen. Sein analytischer Hintergrund gibt ihm einen strukturellen Vorteil beim Turnierspiel. Smith gewann 2013 das WPT Five Diamond Classic und erreichte Final Tables bei einigen der teuersten Turniere, die jemals gespielt wurden.
Phil Ivey: Die Legende
Phil Ivey steht mit über 30 Millionen US-Dollar an Live-Turniereinnahmen in dieser Liste — und diese Zahl unterschätzt seinen tatsächlichen Reichtum erheblich. Ivey gilt als einer der besten Poker-Allrounder aller Zeiten, elf WSOP-Bracelets, ein WPT-Titel, neun WPT-Finaltische und ein Sitz in der Poker Hall of Fame. Sein tatsächliches Vermögen stammt zu erheblichen Teilen aus High-Stakes-Cash-Games, insbesondere in Macau — Zahlen, die in keiner offiziellen Datenbank auftauchen.
Daniel Negreanu: Der Ambassador
Daniel Negreanu, bekannt als „Kid Poker”, hat über 50 Millionen US-Dollar in Live-Turnieren gewonnen und ist damit der bekannteste Name auf dieser Liste. Sein Vermögen übertrifft die Turniereinkünfte jedoch erheblich — jahrelange Sponsoring-Deals, zunächst mit PokerStars, dann mit GGPoker, haben ihn zu einer Marke gemacht, die weit über den Pokertisch hinausgeht.
Fedor Holz: Deutschlands Beitrag zur Weltspitze
Mit über 50 Millionen US-Dollar an Live-Einnahmen ist Fedor Holz der erfolgreichste deutschsprachige Spieler aller Zeiten und einer der wenigen Nicht-Angloamerikaner in dieser Liste. Was seinen Vermögensstatus von den meisten anderen unterscheidet: Holz hat seine Pokerkarriere in jungen Jahren weitgehend zurückgefahren und investiert heute in Unternehmen, darunter Pokercode. Sein Nettovermögen dürfte die reinen Turniereinkünfte deutlich übertreffen.
Was die Zahlen nicht zeigen
Die All Time Money List ist ein nützlicher, aber unvollständiger Indikator. Cash-Game-Gewinne — besonders aus privaten High-Stakes-Games in Macau, Las Vegas und London — fließen nicht ein. Online-Einnahmen tauchen nur auf, wenn Plattformen sie öffentlich machen. Staking-Gewinne und Coaching-Einnahmen bleiben unsichtbar. Spieler wie Phil Ivey oder Tom Dwan, die für ihre Cash-Game-Dominanz bekannt sind, werden in der Turnierliste systematisch unterrepräsentiert. Das macht die tatsächliche Rangliste des reichsten Pokerspielers der Welt zu einem offenen Geheimnis — einer, über den die Szene spekuliert, aber nie vollständige Klarheit haben wird.

