Variance Calculator

Jeder Pokerspieler kennt das Gefühl: Du spielst gut, triffst die richtigen Entscheidungen — und verlierst trotzdem Session für Session. Oder du gewinnst wochenlang und fragst dich, ob du wirklich so gut bist wie die Zahlen suggerieren. Beides ist Varianz. Und wer Varianz nicht versteht, wird Poker falsch einschätzen — sich selbst, seine Winrate und vor allem seine Bankroll.

Der Poker Variance Calculator simuliert genau das: Er zeigt dir, welche Gewinn- und Verlustbandbreite mathematisch möglich ist — auf Basis deiner Winrate, deiner Standardabweichung und der Anzahl Hände, die du spielst. Das Ergebnis ist kein Versprechen, sondern ein Blick in den Bereich des Wahrscheinlichen.

Poker Variance Calculator: Warum du mehr Downswings erlebst als du solltest

Simuliert deine Gewinn- und Verlustbandbreite über Sessions
Spieltyp
Parameter
WR
STD
HND
€/BB
Simulation
Erwartungswert
Bestes Ergebnis
Schlechtestes
Im Minus (%)
aller Simulationen
Ergebnisbandbreite (BB)
Erwartungswert
95% Band
Simulationen
Parameter eingeben und Simulation starten
Wahrscheinlichkeitsbänder
Top 10%
Bestes Dezil
Median (50%)
Typisches Ergebnis
Bottom 10%
Schlechtestes Dezil

Was ist Varianz im Poker?

Varianz beschreibt die Schwankungsbreite deiner Ergebnisse um deinen langfristigen Erwartungswert. Selbst ein Spieler mit einer soliden Winrate von 5 BB/100 kann über 20.000 Hände im Minus sein — nicht wegen schlechtem Spiel, sondern wegen der natürlichen Zufälligkeit im Kartenspiel.

Das ist keine Ausrede, sondern Mathematik. Wer das nicht akzeptiert, interpretiert kurze Serien falsch, tilt schneller und trifft schlechtere Bankroll-Entscheidungen.


Was bedeuten die einzelnen Felder?

Win Rate (BB/100)

Die Win Rate ist dein durchschnittlicher Gewinn pro 100 gespielte Hände, gemessen in Big Blinds. Ein Wert von 5 BB/100 bedeutet, dass du langfristig 5 Big Blinds pro 100 Hände gewinnst. Typische Winrates für reguläre Spieler liegen zwischen 2 und 8 BB/100 — alles darüber ist entweder ein sehr kleines Sample oder ein außergewöhnlich starkes Spiel.

Wenn du deine Winrate noch nicht kennst, nutze einen konservativen Schätzwert. Einen zu hohen Wert anzunehmen ist einer der häufigsten Fehler von Freizeitspielern.

Standardabweichung (BB/100)

Die Standardabweichung beschreibt, wie stark deine Ergebnisse von Session zu Session schwanken. Ein hoher Wert bedeutet mehr Varianz — stärkere Ausschläge nach oben und unten. Typische Richtwerte:

NL Hold’em Cash Games liegen bei etwa 70 bis 100 BB/100. MTT-Spieler haben durch die Turnierstruktur deutlich höhere Werte, oft über 150 BB/100. PLO-Spieler erleben durch die stärkeren Hände und häufigeren Flips ebenfalls erhöhte Varianz. Die Spieltyp-Presets im Calculator setzen automatisch einen realistischen Standardwert — du kannst ihn jederzeit manuell überschreiben.

Hände / Sessions

Hier gibst du an, wie viele Hände du simulieren möchtest. Das ist kein Rückblick, sondern eine Vorausschau: Was ist über die nächsten 10.000, 50.000 oder 100.000 Hände statistisch möglich?

Für Cash-Game-Spieler gilt: Erst ab etwa 100.000 Händen beginnt sich eine Winrate wirklich zu stabilisieren. Alles darunter ist ein zu kleines Sample für verlässliche Aussagen.

BB-Wert in Euro (optional)

Wenn du deinen Big Blind-Wert in Euro eingibst, rechnet der Calculator alle Ergebnisse zusätzlich in Euro um. Das macht die Zahlen greifbarer — besonders für die Downswing-Einschätzung und Bankroll-Planung.

Anzahl Simulationen

Der Calculator führt eine Monte-Carlo-Simulation durch — er spielt die gewählte Handanzahl viele Male durch und zeigt dir die Verteilung der Ergebnisse. Mit 100 Simulationen bekommst du einen schnellen Überblick. Mit 1.000 Simulationen wird die Bandbreite präziser und das 95%-Konfidenzband enger.


Was zeigt der Chart?

Der Chart ist das Herzstück des Calculators. Er zeigt dir alle Simulationspfade gleichzeitig — grüne Linien für Simulationen, die im Plus enden, rote für jene im Minus. Dazwischen liegt das 95%-Konfidenzband: der Bereich, in dem 95% aller Simulationen verlaufen.

Die goldene Linie ist der Erwartungswert — dein langfristiges Ergebnis bei exakt konstanter Winrate. In der Praxis wird keine einzige deiner Simulationen genau dieser Linie folgen. Das ist das Wesen der Varianz.

Die gestrichelte weiße Linie markiert die Nulllinie. Simulationen, die diese Linie nach einer langen Strecke noch nicht überschritten haben, zeigen dir, wie realistisch ein anhaltender Downswing ist.


Was sind die Wahrscheinlichkeitsbänder?

Die drei Bänder zeigen dir konkrete Grenzwerte deiner Simulation.

Das Top-10%-Band zeigt das Ergebnis der besten 10% aller Simulationen — ein Lauf, der deutlich besser als der Erwartungswert läuft. Der Median zeigt das typische Ergebnis: Die Hälfte aller Simulationen liegt darüber, die Hälfte darunter. Das Bottom-10%-Band zeigt, wie schlecht es in einem Worst-Case-Szenario laufen kann — ohne dass du schlechter spielst als erwartet.

Besonders der Abstand zwischen Median und Bottom-10% ist für die Bankroll-Planung entscheidend. Wenn du nicht genug Kapital hast, um den schlechtesten realistischen Lauf zu überstehen, spielst du mit zu wenig Puffer.


Was bedeutet die Downswing-Warnung?

Wenn der schlechteste simulierte Lauf einen größeren Drawdown zeigt, erscheint eine Warnung mit der konkreten BB-Zahl — optional auch in Euro. Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein wichtiger Planungshinweis.

Ein Downswing von 200 BB ist in NL Cash Games über 20.000 Hände keine Seltenheit — auch bei positiver Winrate. Wer dafür nicht genug Bankroll eingeplant hat, ist gezwungen, das Limit zu wechseln oder unter psychologischem Druck zu spielen. Beides kostet Geld.


Wie nutzt du den Calculator für Bankroll-Planung?

Stelle die Simulation auf deine realistischen Parameter ein und schau, was das Bottom-10%-Szenario ergibt. Das ist der Betrag, den du als Minimum-Puffer auf deiner Bankroll haben solltest — zusätzlich zu dem Kapital, mit dem du aktiv spielst.

Als Faustregel gilt für NL Cash Games ein Minimum von 20 bis 30 Buy-ins. Der Calculator zeigt dir konkret, ob das für deine Standardabweichung ausreicht oder ob du konservativer planen solltest.


Ein konkretes Beispiel

Du spielst NL25 mit einer Winrate von 5 BB/100 und der typischen Standardabweichung von 80 BB/100. Dein Ziel: 20.000 Hände in den nächsten zwei Monaten.

Starte die Simulation mit 100 Durchläufen. Der Erwartungswert liegt bei +1.000 BB. Das Top-10%-Ergebnis liegt deutlich höher, das Bottom-10%-Ergebnis vielleicht bei -400 BB oder schlechter. Der Median liegt wahrscheinlich unter dem Erwartungswert — weil Varianz asymmetrisch wirkt und ein schlechter Lauf schwerer reindrückt als ein guter gleich stark nach oben zieht.

400 BB Downswing bei NL25 bedeutet 10 Euro pro BB — also 4.000 Euro potenzielle Schwankung, obwohl du profitabel spielst. Wer das nicht eingeplant hat, wird nach einem solchen Lauf nervös — und macht Fehler.