Deutschland ist eine der stärksten Pokernationen der Welt. Das ist keine Übertreibung — es ist eine Tatsache, die die Germany All Time Money List des Hendon Mob seit Jahren belegt. Namen wie Fedor Holz, Christoph Vogelsang oder Koray Aldemir sind in der internationalen High-Roller-Szene keine Exoten, sondern gefürchtete Gegner. Dieser Artikel zeigt, wer die deutsche Pokerszene geprägt hat — und wer es bis heute tut.
Fedor Holz: Die unangefochtene Nummer eins

An Fedor Holz führt kein Weg vorbei. Der 1993 in Saarbrücken geborene Spieler führt die Germany All Time Money List mit über 50 Millionen US-Dollar an Live-Turnierpreisgeldern an und zählt damit zu den erfolgreichsten Turnierpoker-Spielern der gesamten Pokergeschichte.
Holz begann als Teenager online zu spielen, unter dem Nickname CrownUpGuy wurde er zur Legende. Seinen größten Live-Moment hatte er 2018 bei der WSOP, wo er sechs Millionen US-Dollar gewann — seinen größten Einzelcash. Doch was ihn von vielen anderen Spielern unterscheidet, ist die Konstanz: 2016 hielt er 30 Wochen in Folge Platz eins der weltweiten Pokerrangliste. Heute ist er auch als Gründer von Pokercode aktiv und hat seine professionelle Pokerkarriere weitgehend zurückgefahren — was seiner Lebensleistung keinen Abbruch tut.
Christoph Vogelsang: Der analytische Gentleman
Christoph Vogelsang aus dem Münsterland ist die Nummer zwei der deutschen All-Time-Liste mit über 25 Millionen US-Dollar. Was ihn auszeichnet: Er startete erst 2013 mit Live-Turnieren — und war in seinem ersten Jahr bereits zweistellig in Millionen. Seinen größten Moment hatte er beim Super High Roller Bowl 2017 im Aria, wo er sechs Millionen US-Dollar gewann. Sein hochdisziplinierter, analytischer Spielstil macht ihn zu einem der konstantesten Spieler in Super-High-Roller-Feldern — auch wenn es in den letzten Jahren ruhiger um ihn geworden ist.
Rainer Kempe: Berliner in der Weltspitze
Rainer Kempe, gebürtiger Berliner, entdeckte Poker während seines BWL-Studiums in Potsdam. Nach Jahren des Online-Spiels — unter Nicknames wie „bluetom89″ — verlegte er seinen Wohnsitz nach Brighton und fokussierte sich vollständig auf den Live-Bereich. Der Durchbruch kam 2016 mit dem Sieg beim Super High Roller Bowl, wo er fünf Millionen US-Dollar gewann und seinem engen Freund Fedor Holz auf dem zweiten Platz ließ. Mit über 21 Millionen US-Dollar an Gesamtpreisgeldern ist er einer der produktivsten deutschen Spieler überhaupt — privat bekannt auch als Partner der Pokerspielerin Maria Ho.
Koray Aldemir: WSOP-Weltmeister aus Berlin
Koray Aldemir ist der einzige Deutsche, der das WSOP Main Event gewonnen hat — das größte und prestigeträchtigste Einzelturnier im Poker. 2021 besiegte er George Holmes in einem über viereinhalb Stunden dauernden Heads-Up und gewann acht Millionen US-Dollar sowie den Titel des Pokerweltmeisters. Aldemir startete 2013 gemeinsam mit Fedor Holz seine Live-Karriere. Sein strategischer, geduldiger Spielstil hat ihn zu einem der respektiertesten deutschen Spieler gemacht — inzwischen lebt er in Wien, dem inoffiziellen Zentrum der deutschen Pokerszene.
Dominik Nitsche: Vierfacher Bracelet-Gewinner
Dominik Nitsche aus Minden ist einer der titelreichsten deutschen Spieler. Vier WSOP-Bracelets, ein WPT-Hauptsieg und knapp 21 Millionen US-Dollar an Live-Preisgeldern sprechen für sich. Nitsche begann als Teenager online zu spielen und wechselte schrittweise in den Live-Bereich. Was ihn auszeichnet, ist seine mathematische Präzision und eine Postflop-Spielweise, die ihn zur verlässlichsten Konstante in der deutschen Spitzengruppe gemacht hat.
Ole Schemion: Der Druck-Spieler
Ole Schemion steht für aggressiven, kreativen Stil, der Gegner konsequent unter Druck setzt. Der Berliner hielt 41 Wochen lang die Spitze der weltweiten Pokerrangliste — eine Dauer, die nur drei Spieler je überboten haben. 2013 wurde er vom Global Poker Index als Spieler des Jahres ausgezeichnet. Sein größter Live-Cash kam 2016 in Monte Carlo mit über 1,8 Millionen US-Dollar. Zuletzt hat er sich mit zwei WSOP-Bracelets — dem zweiten gerade erst in Prag 2026 — erneut in Erinnerung gebracht. Insgesamt über 20 Millionen US-Dollar an Preisgeldern.
Steffen Sontheimer: Der Goose
Steffen Sontheimer, Spitzname „Go0se” oder „The Goose”, schrieb seine Bachelorarbeit über Verhaltensökonomie im Poker — und spielte dann genau so, wie man es von einem erwarten würde, der Poker akademisch durchdacht hat. Sein Durchbruch kam 2017, als er bei den ersten Poker Masters in Las Vegas das Purple Jacket gewann — die Auszeichnung für den Spieler mit den meisten Punkten über das gesamte Festival. Mehr als 13 Millionen US-Dollar an Live-Preisgeldern, ein enger Freund und Trainingspartner von Fedor Holz.
Hossein Ensan: WSOP-Main-Event-Champion 2019
Hossein Ensan ist der zweite Deutsche auf der Liste der WSOP-Main-Event-Gewinner — als zweiter nach Pius Heinz, der 2011 triumphierte. Ensan gewann 2019 zehn Millionen US-Dollar mit einem Spielstil, der für Geduld und Nervenstärke bekannt ist. In einem Feld von über 8.500 Spielern war er der letzte Mann — und für Deutschland ein historischer Moment.
Pius Heinz: Der erste deutsche Weltmeister
Pius Heinz gewann 2011 das WSOP Main Event und brachte der deutschen Pokerszene ihren ersten globalen Titel. Der Bonner schlug im Heads-Up den Tschechen Martin Staszko und gewann über acht Millionen US-Dollar. Es war der Moment, der der deutschen Pokerwelt internationales Ansehen brachte — und bewies, dass Deutschland auf der größten Bühne gewinnen kann.
Katja Thater: Die Pionierin

Keine Liste der besten deutschen Pokerspieler ist vollständig ohne Katja Thater. Die Münchnerin ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Pokerinnen Deutschlands und öffnete der deutschen Pokerszene in einer Zeit die Türen, als Frauen am Pokertisch noch eine Seltenheit waren. Mehrfache WSOP-Casherin, Spielerin auf höchstem europäischem Niveau und Botschafterin des Spiels in Deutschland — ihre Lebensleistung geht weit über Preisgeldtabellen hinaus.
Was diese Namen gemeinsam haben: analytisches Spiel, Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung und eine Netzwerkkultur — vor allem rund um Wien —, die Deutschland zur vielleicht stärksten kollektiven Pokernation Europas gemacht hat.

