Nur zwei der neun verbliebenen Spieler aus dem 9.208 Starter starken Feld des 2026 World Series of Poker $10.000 No-Limit Hold’em Main Events haben bereits Bracelets gewonnen. Während Greg Mueller als erfahrener Mixed-Games-Spezialist drei Titel vorweisen kann, bringt der 41-jährige Michael Gagliano aus Rockaway, New Jersey, die klar größere No-Limit-Hold’em-Erfahrung mit – und zwar vier eigene Bracelets.
Für den New Jersey-Profi war das Main Event in seiner fast 20-jährigen Karriere bisher meist eine Enttäuschung.
„Ich habe den anderen erzählt, dass das hier mein 17. Main Event ist. Vor dem 148. Platz im letzten Jahr hatte ich nur einen einzigen Cash und null Day-4-Finishes“, gestand Gagliano im Gespräch mit Card Player. „Mein Track Record war insgesamt ziemlich schlecht. Letztes Jahr bin ich dann relativ tief gekommen – und jetzt natürlich dieses Jahr. Manchmal dreht sich das einfach von einem Moment auf den anderen.“
„Ich bin mega happy, hier zu sein. Das ist das, wovon jeder Pokerspieler träumt. Das WSOP Main Event ist das größte und prestigeträchtigste Turnier, das man spielen und in dem man weit kommen kann. Gleichzeitig ist es ein riesiges Feld. Ich kenne unglaublich viele starke Spieler, die hier immer wieder enttäuscht wurden.“
Ein erfahrener Bracelet-Jäger mit schwieriger Main-Event-Vergangenheit
Gaglianos erste Bracelet-Erfolge reichen bis 2016 zurück, als er ein $2.500 No-Limit-Hold’em-Event für damals karrierebeste $448.463 gewann. Dieser Rekord ist durch seinen Final-Table-Einzug bereits Geschichte – er hat mindestens $1 Million sicher. Mit einem Top-4-Finish würde er seine bisherigen Gesamteinnahmen von $2.559.401 mehr als verdoppeln.
Seine weiteren drei Bracelets holte er online (Turbo Deepstack 2022, Six-Max 2023 und ein Mystery-Bounty-Event). Mit 46.500.000 Chips (31 Big Blinds) geht er als Fünfter von neun in den Final Table.
„Ich schaue einfach, wo die Karten fallen, spiele mein bestes Poker und schaue dann weiter. Es wird schwer, zu enttäuscht zu sein. Klar wäre der neunte Platz etwas bitter, aber so ist Poker. Das kann passieren. Jeder an diesem Tisch kann genauso gut Neunter oder Erster werden. Es ist noch völlig offen.“
Die Wartezeit und die Rückkehr von ESPN
Zum ersten Mal seit 2021 überträgt die WSOP das Main Event wieder gemeinsam mit ESPN. Der Weg zum Final Table lief live auf ESPN+, die aufbereiteten TV-Folgen laufen seit dem 21. Juli auf ESPN2. Der Final Table selbst wird vom 3. bis 5. August über drei Tage gespielt – eine deutlich kürzere Pause als in der alten „November Nine“-Ära.
„Ich habe dieses Turnier als Kind und Jugendlicher jahrelang auf ESPN geschaut. Es ist ziemlich cool, jetzt selbst dabei zu sein“, sagte Gagliano. „Ich kann es kaum erwarten, die Episoden später nochmal anzuschauen.“
Zur diesjährigen Pause meinte er: „Ich bin ziemlich froh, dass es etwas Zeit zum Durchatmen und Erholen gibt nach den letzten zehn Tagen. Ein großer Fan der November Nine war ich nie – das war einfach zu lange. Die zwei Wochen jetzt sind wahrscheinlich gut. Ein bisschen awkward ist es schon, weil man nicht so recht weiß, ob man nach Hause fliegen oder hierbleiben soll.“
Vom Lehrer-Aspiranten zum Coach – und zurück an den großen Tisch
Neben seiner Spielerkarriere ist Gagliano seit 2009 auch als Coach aktiv. Er arbeitete unter anderem mit Joe McKeehen, der Jahre später das 2015er Main Event gewann.
„Ich hatte schon immer eine Affinität zum Unterrichten. Meine Mutter war jahrelang Lehrerin und wollte mich in diese Richtung schieben. Nach dem College hatte ich nicht wirklich eine klare Richtung – bis Poker ins Spiel kam. Direkt nachdem ich anfing, Resultate zu holen, haben mich Leute wegen Coaching angeschrieben. Seit 2009 mache ich das.“
Der Weg zum Final Table und die Zahlen
Gagliano hatte auf Day 3 einen starken Lauf, rutschte auf Day 4 wieder ab und startete Day 5 mit nur 300.000 Chips. Dann kam der große Turnaround: Er steigerte sich auf über 5,2 Millionen.
Auf Day 8 eliminierte er unter anderem den 2019er Main-Event-Sieger Hossein Ensan (mit Pocket Kings gegen A-Q) und überstand einen entscheidenden All-in gegen Shaun Deeb (Tens vs. A-J). Ein Flip gegen Greg Mueller (A-K vs. Queens) kostete ihn zwar Chips, ließ ihn aber weiterhin im Rennen.
Final-Table-Chipcounts:
| Rang | Spieler | Chips |
|---|---|---|
| 1 | Lucas Jumalon | 194.000.000 |
| 2 | Rami Hammoud | 79.000.000 |
| 3 | Jamie Shaevel | 56.000.000 |
| 4 | Greg Mueller | 48.500.000 |
| 5 | Michael Gagliano | 46.500.000 |
| 6 | Mario Boos | 44.000.000 |
| 7 | Lauri Saaskilahti | 37.500.000 |
| 8 | Han Feng | 25.000.000 |
| 9 | Evagoras Evagorou | 22.500.000 |
Preisgeld-Struktur (Top 9):
-
- Platz: $10.000.000
-
- Platz: $6.000.000
-
- Platz: $3.750.000
-
- Platz: $2.750.000
-
- Platz: $2.250.000
-
- Platz: $1.750.000
-
- Platz: $1.500.000
-
- Platz: $1.250.000
-
- Platz: $1.000.000
Die ersten beiden Final-Table-Abende laufen am 3. und 4. August ab 21:00 Uhr ET auf ESPN2. Das große Finale startet am 5. August um 22:30 Uhr ET ebenfalls auf ESPN.
Michael Gagliano steht vor der Chance seines Lebens – und jagt nicht nur den Titel, sondern Poker-Unsterblichkeit.

