Tag 4 der WSOP Europe Main Event in Rozvadov hat zwei der populärsten Spielerinnen des Feldes aus dem Turnier gefegt – und beide auf eine Art, die man so schnell nicht vergisst. Shiina Okamoto verlor mit Pocket Aces gegen Vierlings-Buben, Annette Obrestad schied kurz darauf mit Pocket Twos aus. Beide kassierten €40.000 für ihre tiefen Runs, aber der Schmerz dürfte das überwiegen.
Okamoto trifft Full House – und verliert trotzdem
Die Hand, die Okamotos Turnier beendete, war ein klassischer Cooler, bei dem sie kaum eine Chance hatte zu entkommen. Vasileios Panagiotidis öffnete aus früher Position mit J♠ 10♠ auf 200.000, Okamoto reraisete auf 650.000 mit A♥ A♠, Panagiotidis callte.
Der Flop kam 8♦ J♣ J♥ – Trips für Panagiotidis, ein scheinbar solides Board für Okamoto mit ihrem Overpair. Sie checkte, callte seinen Bet von 400.000. Dann kam der Turn: J♦. Panagiotidis hatte nun Quads, Okamoto saß auf einem Full House, Buben über Asse – und ahnte davon nichts. Sie bettete 900.000, er callte ruhig.
Am River fiel die 7♥, ein Blank. Okamoto feuerte 2.500.000 in den Pot, Panagiotidis shippte all in, sie callte ohne zu zögern. Die Karten wurden aufgedeckt, und das Ausmaß des Coolers wurde sichtbar: Quads schlagen Full House, Okamoto schied auf Platz 37 aus.
Die GTO Wizard-Botschafterin hatte kein Fold-Equity in dieser Hand – wer mit Aces ein Full House flopped, gibt nicht auf. Panagiotidis spielte die Hand mit kühler Zurückhaltung, ließ Okamoto die Aggression übernehmen und sammelte am Ende einen Monster-Pot ein.
Obrestads Comeback endet auf Platz 34
Annette Obrestad war das eigentliche emotionale Zentrum dieses Turniers. 19 Jahre nach ihrem legendären Sieg bei der WSOP Europe Main Event 2007 – dem bis heute jüngsten Bracelet-Gewinn in der Geschichte der WSOP – war sie zurückgekehrt und hatte es bis in die Spätphase von Tag 4 geschafft.
Ihr letzter Hand: Sondre Stormyr öffnete auf 200.000, Rokas Asipauskas callte vom Button. Obrestad shippte all in mit ihren verbleibenden 540.000 aus dem Small Blind, Stormyr isolierte auf 1.200.000, Asipauskas foldete. Obrestad zeigte 2♦ 2♣, Stormyr K♥ J♦ – ein fairer Münzwurf auf dem Papier.
Der Flop kam J♠ 8♦ 4♦ und machte die Situation sofort klar: Stormyr traf sein Top Pair, Obrestad war auf zwei Outs reduziert. Turn 7♣, River 10♦ – kein Wunder geschah. Obrestad schied auf Platz 34 aus.
Zwei Eliminations, eine klare Botschaft
Tag 4 hat gezeigt, wie gnadenlos dieses Format sein kann. Okamoto spielte ihre Hand nicht falsch, Obrestad hatte beim Allin-Push die nötige Fold Equity und die richtige Situation. Beide wurden von der Varianz erwischt, die Poker letztlich unberechenbar macht. Dass ausgerechnet Obrestad, die mit ihrer Rückkehr an den Tisch eine echte Geschichte erzählt hatte, so knapp vor dem Gipfel scheitert, ist das bitterste Kapitel dieses Turniertages.

