Michelle Chin hat bei der World Series of Poker 2026 ihren nächsten großen Meilenstein erreicht. Die in Taiwan geborene Spielerin setzte sich im $1.500 Limit 2-7 Lowball Triple Draw gegen 657 Entries durch und gewann damit ihr erstes WSOP-Bracelet. Für den Sieg erhielt Chin 161.313 US-Dollar.
Der Erfolg kommt elf Jahre nach einem anderen historischen Moment. 2015 wurde Chin zur ersten Frau, die ein Main Event der World Series of Poker Circuit gewinnen konnte. Damals war sie noch vergleichsweise neu in der Turnierszene. Nun folgt der nächste große Titel auf WSOP-Bühne.
Michelle Chin schreibt erneut Poker-Geschichte
Chins Sieg ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen gewann sie ihr erstes Bracelet in einer anspruchsvollen Mixed-Game-Variante, die deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt als No-Limit Hold’em. Zum anderen setzte sie sich an einem Finaltag durch, der mit erfahrenen Bracelet-Gewinnern besetzt war.
Im 2-7 Triple Draw geht es nicht um klassische High-Hands, sondern um möglichst niedrige Hände. Straights und Flushes zählen gegen den Spieler, Asse sind hoch, und die beste mögliche Hand ist 7-5-4-3-2. Genau deshalb verlangt die Variante ein sehr eigenes Gefühl für Draws, Handstärken, Position und gegnerische Tendenzen.
Dass Chin ausgerechnet in diesem Format ihr erstes Bracelet holt, unterstreicht die Qualität ihres Runs. Es war kein einfacher Durchmarsch über ein schwaches Feld, sondern ein Turnier mit vielen erfahrenen Spezialisten.
Von der WSOP-Circuit-Pionierin zur Bracelet-Gewinnerin
2015 hatte Michelle Chin bereits Geschichte geschrieben. Beim WSOP Circuit Main Event in Council Bluffs gewann sie als erste Frau überhaupt ein Circuit-Main-Event. Damals setzte sie sich gegen 235 Entries durch und sicherte sich ihren ersten Gold Ring.
Chin sagte damals sinngemäß, sie hoffe, mehr Frauen zum Pokerspiel zu ermutigen. Der Sieg hatte deshalb nicht nur sportliche Bedeutung, sondern wurde auch als Signal für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Poker wahrgenommen.
Elf Jahre später ist ihr Bracelet-Sieg ein neuer Höhepunkt. In dieser Zeit wurde Poker deutlich kompetitiver, mathematischer und internationaler. Ein großes WSOP-Feld zu gewinnen, ist heute schwieriger denn je. Genau deshalb wirkt Chins Erfolg so stark.
Starkes Feld und großer Preispool
Das Event #58 der WSOP 2026 zog 657 Entries an. Damit entstand ein Preispool von 872.167 US-Dollar. Die besten 99 Spieler erreichten die Geldränge.
Mehrere bekannte Namen kamen tief ins Turnier, darunter Jason Daly, Terrence Chan, Jon Turner, Dominic Sarle, Nick Guagenti, Dylan Smith, Jerry Wong und Pedro Neves. Am Finaltag waren noch zwölf Spieler übrig, wobei der Italiener Alessio Isaia zunächst die Führung hielt. Chin startete innerhalb der Top 5 und arbeitete sich Schritt für Schritt nach vorn.
Früh schieden unter anderem Steve Billirakis, Michael Rodrigues und David May aus. Später erwischte es auch bekannte Bracelet-Gewinner wie Evan Sandberg, Alessio Isaia, Sean Troha und Ian Pelz.
Chin übersteht schwierige Ausgangslage
Besonders spannend wurde es, als nur noch vier Spieler übrig waren. Zu diesem Zeitpunkt war Chin der Short Stack. Statt jedoch auszubluten, gewann sie einen wichtigen großen Pot gegen Horacio Chaves und brachte sich wieder zurück in die Entscheidung.
Nicholas Pupillo musste anschließend auf Rang vier gehen, nachdem er in einer entscheidenden Hand nicht verbessern konnte. Chaves folgte auf Platz drei, als er gegen Daniel Strelitz nicht mehr die passende Karte fand.
Damit kam es zum Heads-up zwischen Chin und Strelitz. Strelitz ging mit einem Chipvorsprung in das Duell, doch Chin drehte das Match. Ein großer Pot mit 8-6 gegen 8-7 leitete ihr Comeback ein. Danach glich sie die Stacks aus, übernahm die Führung und setzte Strelitz zunehmend unter Druck.
Das entscheidende Heads-up gegen Daniel Strelitz
Im finalen Duell traf Chin auf einen sehr erfahrenen Gegner. Daniel Strelitz hatte bereits WSOP-Erfolge gefeiert und ging zunächst mit Vorteilen ins Heads-up. Doch Chin blieb ruhig und gewann die entscheidenden Spots.
In der letzten Hand war Strelitz vom Button all-in. Chin zog zunächst zwei Karten und stand danach bereits mit 8-7-5-4-2. Strelitz hielt 8-7-4 und benötigte auf dem letzten Draw Hilfe. Seine erste Karte war eine 3 und hielt die Hoffnung am Leben, doch die zweite Karte war ebenfalls eine 3. Damit paarte er und konnte Chin nicht mehr schlagen.
Strelitz erhielt für Platz zwei 107.504 US-Dollar. Chin durfte anschließend ihr erstes WSOP-Bracelet feiern.
Die Finaltabelle im Überblick
| Platz | Spieler | Preisgeld | POY-Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Michelle Chin | 161.313 US-Dollar | 840 |
| 2 | Daniel Strelitz | 107.504 US-Dollar | 700 |
| 3 | Horacio Chaves | 72.152 US-Dollar | 560 |
| 4 | Nicholas Pupillo | 49.458 US-Dollar | 420 |
| 5 | Ian Pelz | 34.641 US-Dollar | 350 |
| 6 | Sean Troha | 24.804 US-Dollar | 280 |
| 7 | Oliver Tot | 18.165 US-Dollar | 210 |
Ein besonderer Sieg für Frauen im Poker
Chins Bracelet-Sieg hat auch über das einzelne Event hinaus Bedeutung. Sie ist eine der wenigen Frauen, die in den vergangenen Jahren ein offenes WSOP-Event gewinnen konnten. Besonders in Mixed Games und Limit-Varianten sind weibliche Bracelet-Siegerinnen selten.
Der Erfolg knüpft deshalb an ihre Rolle von 2015 an. Damals war sie die erste Frau mit einem WSOP-Circuit-Main-Event-Titel. Nun beweist sie erneut, dass sie auf großer Bühne bestehen kann – diesmal in einem offenen WSOP-Feld und gegen starke Konkurrenz.
Poker bleibt weiterhin ein Umfeld, in dem Frauen zahlenmäßig deutlich unterrepräsentiert sind. Siege wie dieser sind deshalb sportlich wichtig und sichtbarkeitsstark zugleich.
Michelle Chin setzt ein starkes Zeichen
Michelle Chins Sieg im $1.500 Limit 2-7 Lowball Triple Draw ist einer der besonderen Momente der WSOP 2026. Nach ihrem historischen Circuit-Erfolg 2015 hat sie nun auch auf Bracelet-Ebene ihren großen Titel geholt.
Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Ein großes Feld, ein starker Finaltag, mehrere erfahrene Bracelet-Gewinner und ein schwieriges Heads-up gegen Daniel Strelitz machten den Triumph umso wertvoller.
Für Chin ist es der größte WSOP-Erfolg ihrer Karriere. Für die Serie ist es eine weitere Geschichte, die zeigt, warum die World Series of Poker jedes Jahr besondere Momente schreibt.

