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„Verdammt viel Spaß”: Kenny Hallaert über zwei Main-Event-Finaltische

Einen WSOP-Main-Event-Finaltisch zu erreichen, ist die Krönung einer Karriere. Zweimal? Das schafften seit dem Jahr 2000 nur zehn Spieler weltweit. Der Belgier Kenny Hallaert gehört dazu — mit neun Jahren Abstand zwischen 2016 und 2025. Im Interview spricht er über den Unterschied zwischen der „November Nine”-Ära und dem modernen Format, über Erschöpfung, unerwarteten Ruhm in Brügge — und darüber, warum die neue Drei-Wochen-Pause 2026 genau richtig sein könnte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2000 erreichten nur zehn Spieler mehrfach den Main-Event-Finaltisch.
  • Kenny Hallaert schaffte es 2016 (6. Platz) und 2025 (4. Platz) — neun Jahre Abstand.
  • Er hält die neue Drei-Wochen-Pause vor dem Finaltisch 2026 für einen guten Mittelweg.
  • Am Finaltisch 2026 steht mit Mario Boos auch ein deutscher Spieler.

Der exklusive Klub der Doppel-Finalisten

Spieler Jahre (Platzierung)
Jeff Shulman 2000 (7.), 2009 (5.)
Mike Matusow 2001 (6.), 2005 (9.)
Dan Harrington 2003 (3.), 2004 (4.)
Joe Cada 2009 (1.), 2018 (5.)
Antoine Saout 2009 (3.), 2017 (5.)
Michael Mizrachi 2010 (5.), 2025 (1.)
Ben Lamb 2011 (3.), 2017 (9.)
Mark Newhouse 2013 (9.), 2014 (9.)
Kenny Hallaert 2016 (6.), 2025 (4.)
Damian Salas 2017 (7.), 2020 (1.)

Hallaerts neunjährige Lücke ist die gemeinsam zweitlängste der modernen Geschichte — nur Michael Mizrachi wartete mit 15 Jahren noch länger.

Zwei Ären, zwei völlig verschiedene Erlebnisse

Hallaerts erster Finaltisch 2016 fiel in das letzte Jahr der „November Nine”-Ära mit ihrer dreimonatigen Pause. 2025 dagegen gab es nur einen einzigen freien Tag. Für den PokerStars-Team-Pro machte das einen gewaltigen Unterschied — vor allem organisatorisch.

Die Pause 2016 habe ihm Zeit gegeben, Freunde und Familie einzufliegen und sich zu sortieren, erklärt Hallaert. 2025 sei praktisch nur seine Freundin gekommen. Schon an Tag 7 habe er ihr gesagt: Falls noch einmal ein Wunder passiere, solle sie die Koffer gepackt haben und den Flug buchen, sobald er den Finaltisch erreiche. Für amerikanische Spieler sei das machbar — wer aber aus Übersee anreisen müsse, für den sei ein einziger Tag schlicht zu knapp.

Was für das moderne Format spricht

  • Alle bleiben im Moment: Die in den Vortagen aufgebaute Historie am Tisch bleibt vollständig relevant.
  • Kein Reset: Bei der Drei-Monats-Pause habe es sich angefühlt, als kehre man für ein einzelnes Sit-and-Go mit unterschiedlichen Startstacks zurück — die Dynamik aus dem Juli war weitgehend verschwunden.
  • Coaching-Effekt: In drei Monaten konnten sich alle beruhigen und gezielt coachen lassen, was den Charakter des Finaltisches veränderte.

Als man ihn in Brügge erkannte

Ein unbestreitbarer Vorteil der langen Pause war die mediale Aufmerksamkeit. 2016 habe es den gesamten Aufbau auf ESPN gegeben, sodass jeder die Finalisten kennenlernte, erinnert sich Hallaert. Er habe es als großartig empfunden, in diesem Zeitfenster als eine Art Botschafter des Spiels zu fungieren.

Die Folge war unerwarteter Ruhm: In Brügge sei er auf der Straße erkannt worden — die Leute hätten sich gegenseitig angestupst und gefragt, ob man den Mann dort drüben kenne. Im Jahr darauf sprach ihn in Australien jemand in einer Bar an, auf einem Musikfestival baten Fremde um Fotos. Sein Fazit: eine wirklich lustige Erfahrung.

Erschöpfend, zermürbend — und trotzdem ein Traum

So glanzvoll ein tiefer Main-Event-Lauf aussieht, so fordernd ist er. Auf die häufige Frage, wie sich das anfühle, antworte er stets: erschöpfend, ermüdend und stressig. Der Druck sei enorm — aber es mache eben auch „verdammt viel Spaß”. Es sei der Moment, von dem man als Turnierspieler träume, eine einzigartige Gelegenheit. Doch der Stress sei real, und ab Tag 5, 6 und 7 finde man kaum noch richtigen Schlaf. Andere Spieler berichteten ihm exakt dasselbe.

Einordnung & Analyse: Warum drei Wochen der richtige Kompromiss sein könnten

2026 ist das erste Jahr mit der neuen dreiwöchigen Pause vor dem Main-Event-Finaltisch — und Hallaert glaubt, dass die Veranstalter damit ins Schwarze getroffen haben. Erstens wirke jede Pause tendenziell zugunsten der weniger erfahrenen Spieler: Deren Lernkurve sei deutlich steiler, ein Amateur könne in drei Wochen enorm viel lernen, während ein Routinier mit hohem Ausgangsniveau kaum vergleichbare Sprünge mache. Zweitens sei die Drei-Wochen-Spanne dennoch der bessere Mittelweg: genug Zeit für Logistik und etwas Coaching, ohne dass die Turniergeschichte und die Storylines aus dem Gedächtnis der Zuschauer verschwinden. „Vielleicht ist eine Woche der absolute Sweet Spot, aber drei Wochen sind ein großartiger Mittelweg”, so Hallaert.

Für deutschsprachige Fans hat der Finaltisch 2026 zusätzlichen Reiz: Mit Mario Boos steht ein deutscher Spieler unter den letzten Neun. Die von der WSOP geplanten vier geschnittenen ESPN-Episoden im Vorfeld sollen genau jenen Hype erzeugen, den Hallaert aus der November-Nine-Ära kennt — und der die Finalisten einst zu bekannten Gesichtern machte. Ob das gelingt, wird sich zeigen, wenn die finalen Neun Anfang August um den Titel spielen.

Glücksspiel kann süchtig machen. Teilnahme ab 18 Jahren. Spiele verantwortungsbewusst.

JS
Redakteur

Jan Stevens ist Chefredakteur von Poker24.net und berichtet seit vielen Jahren über Live-Poker, Online-Poker, Turnierserien und Glücksspielregulierung. Sein Fokus liegt auf fundierter Einordnung, redaktioneller Transparenz und praxisnaher Analyse. Für Poker24.net verbindet er Branchenwissen, journalistische Erfahrung und klare Meinung zu aktuellen Entwicklungen der Pokerszene.