Über drei Jahre hinweg schien Bin Weng überall zu sein. Der Pennsylvania-Profi gehörte bereits zu den konstantesten Tournament-Grindern der USA – ab 2023 explodierte seine Karriere dann richtig. Millionen-Dollar-Cashes, große Titel und endlose Deep Runs folgten. Doch gegen Ende 2025 kam alles abrupt zum Stillstand.
Gesundheitsprobleme zwangen den vielbeschäftigten Regular zu einer Pause von rund sieben bis acht Monaten. Statt an den Tischen zu sitzen, musste einer der aktivsten Turnierspieler der Szene von zu Hause aus zusehen.
Jetzt ist Weng zurück – und das gleich mit einem starken Lauf. Bei der Borgata Summer Poker Open hat er sich im $650 Super Deep 6-Max bis unter die letzten drei Tische gespielt. Das Event zog 401 Starter an und generierte einen Prize Pool von $228.570. Der Sieger bekommt $41.150. Am Donnerstag wird bis zum Final Table gespielt, bevor die verbliebenen Spieler am Freitag zum Livestream-Finale auf dem BetMGM-Poker-YouTube-Kanal zurückkehren.
Der unaufhaltsame Grind und der Preis dafür
„Mir geht es gerade gut“, sagte Weng im Gespräch mit PokerNews. „Danke, dass ihr nach meiner Gesundheit fragt. Ich hatte vor sieben oder acht Monaten ein kleines medizinisches Problem. Der Großteil ist inzwischen behoben.“
Rückblickend sieht er klar, was ihn erwischt hat: Jahre ununterbrochener Reisetätigkeit und konstantes Grinden.
„Ich habe einfach zu viel Poker gespielt. Ein Turnier nach dem anderen. Ich war ständig unterwegs oder auf dem Weg zu einem Event. Ich habe mich nicht gesund ernährt und zu wenig Sport gemacht. Jetzt ist es deutlich besser.“
Weng hatte sich langsam nach oben gearbeitet. Nach vielen Jahren im Low-Stakes-Bereich knackte er ab 2019 immer größere Buy-ins. 2023 wurde dann zu seinem Durchbruchsjahr:
- Sieg bei „The Return: A Borgata Championship Event“ für $1.000.000
- WSOP-Circuit-Main-Event für $227.344
- WPT Showdown Championship ($3.500) für $1.128.250
- Und der bisher größte Cash seiner Karriere: $2.227.054 beim $10.000 WPT EveryOne for One Drop
Dazu kamen weitere starke Ergebnisse, unter anderem der zweite Platz beim Borgata Fall Mini-Series 8-Max Championship ($134.897) und $958.279 im $25.000 High Roller beim WPT World Championship Festival. Insgesamt cashte er 2023 über $6,66 Millionen live.
Auch 2024 ($519.146) und 2025 ($945.780) blieb er aktiv – bis die Gesundheit endgültig die Reißleine zog. Am 17. Dezember 2025 veröffentlichte die World Poker Tour mit seiner Zustimmung ein Update, nachdem er sich von einem Turnier zurückgezogen hatte.
Die Rückkehr von Bin Weng
Außer sechs Cashes bei der diesjährigen World Series of Poker war Weng monatelang von der Live-Szene verschwunden. Sein Comeback in Las Vegas und jetzt in Atlantic City fühlt sich für ihn besonders an.
„Es ist ehrlich gesagt so großartig, wieder zurück zu sein“, sagte er. „Poker zu spielen ist das, was ich liebe. Nicht nur wegen des Geldes. Ich liebe den Wettbewerb. Wenn ich am Tisch sitze, fühle ich mich am richtigen Platz.“
Trotz der langen Pause hat er das Gefühl, nichts verloren zu haben:
„Alles ergibt wieder Sinn. Ich fühle mich genauso wie früher. Ich kann immer noch spielen.“
Die Zwangspause hat ihn aber zum Umdenken gezwungen:
„Mein Plan ist, etwas weniger zu spielen als früher. Nicht nur Poker. Ich muss auch ein normales Leben mit meiner Familie führen und mehr Zeit mit meinen Kindern und der Familie verbringen. Online kann ich von zu Hause aus spielen, aber ich bevorzuge einfach Live-Poker.“
Borgata fühlt sich wie Zuhause an
Der Stopp in Atlantic City hat für Weng eine besondere Bedeutung. „Borgata war schon immer mein Home-Casino“, erklärte er. „Ich wohne in Pennsylvania, es ist nur etwa eine Stunde Fahrt. Hierher zu kommen ist für mich wie ein kleiner Urlaub – nah und unkompliziert.“
Zum Zeitpunkt des Interviews waren noch 12 Spieler im $650 Super Deep 6-Max übrig. Während andere bereits an den Final Table und den Livestream denken, bleibt Weng seiner Philosophie treu:
„So denke ich beim Pokern nie. Ich denke nicht so viel an das Ergebnis. Ich gebe bei jeder Hand mein Bestes und versuche, jede Hand zu gewinnen. Aber es fühlt sich schon etwas besonders an und macht mich ziemlich glücklich, wieder in der Live-Poker-Szene zu sein.“
Bin Weng ist zurück – und diesmal mit einer klareren Prioritätenliste.

