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Shaun Deeb stichelt gegen Phil Hellmuth: „Er weiß tief in sich, dass ich ihn überholen werde“

Kurz vor dem Start der WSOP 2026 wird die vielleicht spannendste Rekordjagd im Poker wieder persönlicher. Shaun Deeb hat im Rahmen von “No Gamble, No Future” erneut deutlich gemacht, dass er Phil Hellmuths historischen Bracelet-Rekord nicht nur angreifen, sondern eines Tages brechen will. Dabei beließ es Deeb nicht bei sportlichem Selbstvertrauen. Er stellte auch offen infrage, ob Hellmuth heute noch zur absoluten Poker-Elite gehört.

Hellmuth steht derzeit bei 17 WSOP-Bracelets und hält damit den wichtigsten Einzelrekord der Pokerwelt. Deeb hat acht Bracelets gewonnen und ist damit noch weit entfernt. Doch der amtierende WSOP Player of the Year sieht den langfristigen Vorteil klar auf seiner Seite: Er ist jünger, spielt ein größeres Volumen und zählt seit Jahren zu den konstantesten Turnierspielern der Szene.

Key Facts

  • Shaun Deeb sagte bei “No Gamble, No Future”, Phil Hellmuth wisse “tief in sich”, dass Deeb ihn eines Tages bei den WSOP-Bracelets überholen werde.
  • Hellmuth führt die ewige WSOP-Rangliste mit 17 Bracelets an. Deeb liegt aktuell bei acht Titeln.
  • Deeb verwies darauf, dass er bereits zweimal WSOP Player of the Year wurde. Hellmuth hat diese Auszeichnung bislang nie gewonnen.
  • Die Aussagen fielen nur rund zwei Wochen vor dem Start der WSOP 2026 und heizen das Duell zwischen zwei der bekanntesten Pokerpersönlichkeiten weiter an.

Deeb greift nach dem größten Rekord im Poker

Der WSOP-Bracelet-Rekord ist mehr als nur eine Statistik. Er ist im Poker eine Art Vermächtnisfrage. Wer die meisten Bracelets gewinnt, schreibt sich dauerhaft in die Geschichte des Spiels ein. Genau deshalb ist Hellmuths Marke von 17 Titeln so bedeutend.

Shaun Deeb sieht sich als einer der wenigen Spieler, die diesen Rekord langfristig ernsthaft angreifen können. Seine Argumentation ist klar: Er hat bereits acht Bracelets, er ist deutlich jünger als Hellmuth, und er bringt jedes Jahr ein enormes Turniervolumen an den Tisch.

Besonders selbstbewusst war Deebs Aussage über seine Beziehung zu Hellmuth. Sinngemäß erklärte er, Hellmuth könne ihm gegenüber nicht einfach mit seinen Erfolgen prahlen, weil dieser tief im Inneren wisse, dass Deeb ihn bei den Bracelets überholen werde.

Das ist typisch Deeb: direkt, provokant und ohne Rücksicht auf Poker-Etikette. Gleichzeitig ist die Aussage nicht völlig aus der Luft gegriffen. Seit 2018 hat Deeb sechs Bracelets gewonnen. Hält er ein ähnliches Tempo, könnte er Hellmuths Marke zumindest mittelfristig näherkommen.

Hellmuth bleibt der Maßstab

So scharf Deebs Worte auch sind, Phil Hellmuths Rekord bleibt gewaltig. 17 WSOP-Bracelets sind eine Marke, an der sich mehrere Generationen von Spielern die Zähne ausgebissen haben. Kein aktiver Spieler ist wirklich nah dran. Phil Ivey liegt mit elf Bracelets auf Platz zwei, ebenfalls deutlich hinter Hellmuth.

Hellmuth wurde bereits 2007 alleiniger Rekordhalter, als er sein elftes Bracelet gewann und damit Johnny Chan sowie Doyle Brunson überholte. Seitdem hat er seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Sein letztes Bracelet holte er 2023.

Der “Poker Brat” ist inzwischen 61 Jahre alt, aber von einem Rückzug ist wenig zu sehen. Hellmuth hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass er seine Bracelet-Zahl weiter erhöhen will. Sein persönliches Ziel soll bei 24 Titeln liegen. Ob das realistisch ist, bleibt offen. Aber wer Hellmuth komplett abschreibt, macht historisch betrachtet einen Fehler.

Deeb attackiert Hellmuths heutiges Spiel

Deeb beließ es nicht bei der Rekordansage. Er ging auch Hellmuths aktuelles Spiel direkt an. In dem Interview sagte er, Hellmuth könne mit ihm auf Ausdauer-Niveau nicht mithalten. Außerdem stichelte er, er wünschte, er hätte Hellmuth vor 20 Jahren gekannt, als dieser “tatsächlich gut im Poker” gewesen sei.

Das ist eine klare Kampfansage. Hellmuth wird seit Jahren dafür kritisiert, in Cash Games zu tight oder zu unmodern zu spielen. Gleichzeitig findet er bei der WSOP immer wieder Wege, tiefe Runs zu produzieren und Bracelets zu gewinnen. Genau darin liegt die Besonderheit seiner Karriere: Selbst wenn viele Profis sein Spiel kritisch sehen, liefert er in großen Momenten regelmäßig Ergebnisse.

Bei “No Gamble, No Future” zeigte sich diese Ambivalenz erneut. Hellmuth spielte in den High-Stakes-Cash-Games eher tight, verbuchte über zwei Sessions aber dennoch einen Gewinn von rund 14.000 Dollar. Deeb verlor dagegen insgesamt fast 100.000 Dollar in den $100/$200 No-Limit-Hold’em-Partien.

Das macht Deebs Stichelei nicht automatisch falsch, aber es zeigt: Poker ist selten so einfach, wie Trash Talk klingt.

Die Zahlen sprechen für beide Seiten

Auf der einen Seite steht Hellmuths historischer Vorsprung. 17 Bracelets sind eine Hausnummer, die nicht nebenbei erreicht wird. Selbst in einer Zeit mit deutlich mehr WSOP-Events bleibt es extrem schwer, neun weitere Bracelets zu gewinnen. Deeb müsste Hellmuth erst einholen und gleichzeitig verhindern, dass Hellmuth seinen Rekord weiter ausbaut.

Auf der anderen Seite spricht Deebs jüngere Bilanz für ihn. Acht Bracelets, zwei WSOP-Player-of-the-Year-Titel und eine enorme Ausdauer über lange Serien hinweg machen ihn zu einem der gefährlichsten Rekordjäger überhaupt. Daniel Negreanu und Deeb sind die einzigen Spieler, die den WSOP Player of the Year zweimal gewonnen haben. Dieser Punkt ist für Deeb ein starkes Argument, weil er nicht nur einzelne Turniersiege, sondern konstante Leistung über ganze Serien hinweg zeigt.

Trotzdem bleibt die Rechnung hart. Deeb braucht neun weitere Bracelets, um Hellmuth einzuholen. Sollte Hellmuth noch ein oder zwei Titel gewinnen, wird die Aufgabe noch schwerer. Und Deeb ist nicht allein: Spieler wie Benny Glaser haben ebenfalls acht Bracelets und zeigten zuletzt, dass auch sie mehrere Titel in kurzer Zeit holen können.

Ist Hellmuth über seinen Zenit hinaus?

Die große Frage lautet: Ist Phil Hellmuth noch gut genug, um seinen Rekord weiter auszubauen? Seine Kritiker sagen, das moderne Poker sei ihm in vielen Bereichen enteilt. Vor allem in High-Stakes-Cash-Games wirkt Hellmuth gegen GTO-geprägte, aggressive Gegner oft altmodisch.

Bei der WSOP ist die Lage komplizierter. Hellmuths größte Stärke war nie, dass er wie ein Solver spielte. Seine Stärke lag immer in Geduld, Turnierinstinkt, Table Talk, Gegnerlesen und einem außergewöhnlichen Gespür für große Spots. Genau diese Fähigkeiten können bei WSOP-Feldern weiterhin enorm wertvoll sein.

Deshalb ist die Frage nicht, ob Hellmuth noch der beste Allround-Spieler der Welt ist. Das ist er wahrscheinlich nicht. Die bessere Frage lautet: Ist er noch gut genug, um in bestimmten WSOP-Formaten Titel zu gewinnen? Diese Frage muss man klar mit Ja beantworten, solange er regelmäßig spielt, motiviert bleibt und seine Erfahrung ausspielen kann.

Poker24-Meinung: Deeb hat recht – aber Hellmuth bleibt gefährlich

Aus Sicht von Poker24 ist Shaun Deebs Ansage mehr als bloßer Trash Talk. Er gehört tatsächlich zu den wenigen Spielern, die Hellmuths Rekord langfristig angreifen können. Seine Mischung aus Volumen, Vielseitigkeit, Ehrgeiz und WSOP-Erfahrung macht ihn zum legitimen Kandidaten.

Aber Deeb unterschätzt möglicherweise einen Punkt: Hellmuths Rekord ist nicht nur eine Zahl, sondern ein bewegliches Ziel. Solange Hellmuth jedes Jahr eine volle WSOP spielt, kann er weitere Bracelets gewinnen. Und jedes zusätzliche Bracelet macht Deebs Aufgabe deutlich schwerer.

Der spannendste Teil dieser Rivalität ist deshalb nicht die Frage, wer heute der bessere Cash-Game-Spieler ist. Die spannendere Frage ist, wer über die nächsten zehn Jahre mehr WSOP-Titel holt. Deeb hat die Jugend, das Volumen und die moderne Turnierhärte. Hellmuth hat den Vorsprung, die Erfahrung und eine fast unheimliche Fähigkeit, bei der WSOP immer wieder aufzutauchen, wenn man ihn gerade abschreiben will.

Warum diese Rivalität der WSOP guttut

Poker lebt von Charakteren. Genau deshalb ist das Duell Deeb gegen Hellmuth so wertvoll. Es geht nicht nur um Chips und Armbänder, sondern um Generationen, Spielstile und Egos. Hellmuth steht für die alte Schule, für Theatralik, Instinkt und Rekordjagd. Deeb steht für Volumen, moderne Turnierdominanz und kompromisslosen Wettbewerb.

Kurz vor der WSOP 2026 ist diese Spannung perfekt. Hellmuth will beweisen, dass er noch lange nicht fertig ist. Deeb will zeigen, dass die Zukunft ihm gehört. Und die Pokerwelt bekommt eine Storyline, die weit über einzelne Events hinausgeht.

Der Rekordkampf beginnt neu

Shaun Deeb hat Phil Hellmuth öffentlich herausgefordert. Nicht mit höflicher Zurückhaltung, sondern mit einer klaren Botschaft: Er glaubt, dass Hellmuths Bracelet-Rekord irgendwann fällt und dass er selbst der Spieler sein wird, der ihn bricht.

Ob das realistisch ist, wird sich nicht in einem Interview entscheiden. Es wird sich über viele Sommer in Las Vegas entscheiden, über lange Turniertage, tiefe Runs, Finaltische und Momente, in denen ein einziger River ein Vermächtnis verändert.

Poker24 meint: Deebs Jagd auf Hellmuth ist noch lange kein sicherer Rekordbruch. Aber sie ist eine der besten Geschichten, die die WSOP aktuell zu bieten hat.

JS
Redakteur

Jan Stevens ist Chefredakteur von Poker24.net und berichtet seit vielen Jahren über Live-Poker, Online-Poker, Turnierserien und Glücksspielregulierung. Sein Fokus liegt auf fundierter Einordnung, redaktioneller Transparenz und praxisnaher Analyse. Für Poker24.net verbindet er Branchenwissen, journalistische Erfahrung und klare Meinung zu aktuellen Entwicklungen der Pokerszene.