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Kurioser Sportwetten-Rekord: In Colorado wird mehr auf Tischtennis gewettet als auf Eishockey

Ein neuer Report aus dem US-Bundesstaat Colorado sorgt für Staunen — und für Sorgenfalten bei Suchtexperten: Seit der Legalisierung 2019 haben Sportwetter dort mehr Geld auf Tischtennis gesetzt als auf Eishockey. Und das in einem Staat mit gleich zwei Hockey-Schwergewichten. Wir erklären, wie es zu diesem skurrilen Rekord kam und warum er eine ernste Debatte über Glücksspielsucht ausgelöst hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2019 wetteten Colorados Sportwetter 989,2 Mio. Dollar auf Tischtennis — mehr als die 958,8 Mio. auf Eishockey.
  • Insgesamt wurden im Staat über 30,6 Milliarden Dollar umgesetzt, bei einem Bruttoertrag von 2,33 Milliarden.
  • Der Tischtennis-Boom geht auf den Start während der COVID-Pandemie zurück, als andere Sportarten pausierten.
  • Suchtexperten warnen — und der Gesetzgeber erwägt nun strengere Regeln für die Wettbranche.

Wie Tischtennis zum Wett-Hit wurde

Auf den ersten Blick wirkt es absurd: Colorado ist die Heimat der Colorado Avalanche (Stanley-Cup-Sieger 2022) und der University of Denver (mehrfacher College-Champion) — beides Eishockey-Hochburgen. Dennoch floss mehr Wettgeld auf Tischtennis. Der Grund liegt im Zeitpunkt: Colorado startete seine Sportwetten ausgerechnet zu Beginn der COVID-Pandemie. Die großen US-Ligen pausierten, und Tischtennis — das in anderen Teilen der Welt rund um die Uhr weiterlief — wurde zur gefragten Alternative. Es gab schlicht kaum etwas anderes, worauf man hätte wetten können.

Warum die Begeisterung blieb

Bemerkenswert ist, dass der Trend auch nach der Pandemie anhielt. Noch im März 2021, längst nach dem Neustart der großen US-Sportarten, setzten Colorados Wetter 8,8 Millionen Dollar auf Tischtennis. Die Gründe:

  • Volatilität als Reiz: Ein Wetter beschrieb gegenüber Medien, dass gerade das Abseitige und die hohe Schwankungsbreite den Nervenkitzel ausmachten.
  • Rund-um-die-Uhr-Action: Da weltweit gespielt wird, gibt es Wettfenster auch dann, wenn US-Sportarten pausieren — etwa morgens in den USA.
  • Beliebter als etablierte Sportarten: Tischtennis übertraf bei den Wettsummen sogar Golf, MMA, Boxen und Motorsport.

Colorados Wettverhalten in Zahlen

Sportart / Wettart Anteil Umsatz
Basketball 23,9 % $7,3 Mrd.
Parlay-Wetten (Kombi) 21,4 % $6,6 Mrd.
Football (Pro & College) 18,0 % $5,5 Mrd.
Baseball 10,0 % $3,1 Mrd.

Anders als im US-Schnitt, wo Football dominiert, war in Colorado Basketball die beliebteste Wettoption. Die Buchmacher erzielten seit 2019 eine Hold-Quote von 7,6 Prozent.

Ein Warnsignal für Glücksspielsucht?

So kurios die Zahlen wirken, so ernst ist die Debatte, die sie ausgelöst haben. Suchtexperten sehen in den Tischtennis-Summen ein Alarmsignal. Eine von einem ehemaligen Spielsüchtigen betriebene Aufklärungsinitiative nannte das Volumen „nichts weniger als alarmierend” und warnte vor einer wachsenden Sucht-Epidemie: Wenn Nischensportarten wie Tischtennis derart hohe Einsätze anzögen, gehe es nicht mehr um Unterhaltung, sondern um eine Branche, die davon lebe, Menschen am Haken zu halten.

Der Gesetzgeber reagiert: Ein parteiübergreifender Gesetzentwurf sieht Beschränkungen für die Wettbranche vor — darunter ein Verbot von Prop-Bets, Werbebeschränkungen und eine Begrenzung auf fünf Einzahlungen innerhalb von 24 Stunden.

Einordnung & Analyse: Zwischen Kuriosität und Kontrollverlust

Der Fall Colorado ist mehr als eine amüsante Randnotiz. Erstens zeigt er, wie schnell sich Wettverhalten von rationaler Sportkenntnis lösen kann: Tischtennis ist für die meisten US-Wetter eine Blackbox — gewettet wird nicht auf Basis von Wissen, sondern wegen der ständigen Verfügbarkeit und der hohen Varianz. Genau das macht solche Märkte aus Sucht-Perspektive heikel. Zweitens verdeutlichen die Gesamtzahlen die Dimension des Booms: Über 30 Milliarden Dollar Umsatz in einem einzigen Bundesstaat, während die US-Sportwetten 2025 landesweit um fast 23 Prozent zulegten.

Für den deutschen Markt ist die Entwicklung ein lehrreicher Blick über den Atlantik. Auch hierzulande wird über Werbebeschränkungen, Einzahlungslimits und den Schutz vor problematischem Spielverhalten diskutiert. Die geplanten Colorado-Maßnahmen — Limitierung von Einzahlungen, Werberestriktionen — ähneln Instrumenten, die im deutschen Glücksspielstaatsvertrag bereits verankert sind. Der Fall erinnert daran, dass hinter spektakulären Wettzahlen immer auch eine Verantwortungsfrage steht.

Glücksspiel kann süchtig machen. Teilnahme ab 18 Jahren. Spiele verantwortungsbewusst. Wer das eigene Spielverhalten als problematisch empfindet, findet bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter der kostenlosen Hotline 0800 1 372 700 vertrauliche Hilfe.

JS
Redakteur

Jan Stevens ist Chefredakteur von Poker24.net und berichtet seit vielen Jahren über Live-Poker, Online-Poker, Turnierserien und Glücksspielregulierung. Sein Fokus liegt auf fundierter Einordnung, redaktioneller Transparenz und praxisnaher Analyse. Für Poker24.net verbindet er Branchenwissen, journalistische Erfahrung und klare Meinung zu aktuellen Entwicklungen der Pokerszene.