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„Es bedeutete mir nichts”: Mit 88 kehrt der erste PLO-Bracelet-Gewinner der WSOP-Geschichte zurück

Es ist eine Geschichte, wie sie nur Poker schreibt: 1984 gewann Bill Bennett das allererste Pot-Limit-Omaha-Bracelet-Event der WSOP — obwohl er das Spiel kaum beherrschte. 42 Jahre später, mit nun 88 Jahren, sitzt er wieder am Tisch in Las Vegas. Doch was das historische Bracelet für ihn bedeutet, dürfte manche überraschen. Wir erzählen eine außergewöhnliche Poker-Vita.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bill Bennett gewann 1984 das erste PLO-Bracelet-Event der WSOP-Geschichte — mit 46 Jahren.
  • Mit nun 88 Jahren kehrte er 2026 zurück und cashte im $1.000 Super Seniors (Platz 441, 2.001 Dollar).
  • Sein historisches Bracelet verschenkte er einst an seine Mutter — und weiß heute nicht, wo es ist.
  • Sein Urteil über den Titel von 1984: „Es bedeutete mir nichts.”

Der Sieg, an den er sich kaum erinnert

PokerNews traf Bennett in einer Turnierpause — und fragte nach seinen Erinnerungen an den Triumph vor über vier Jahrzehnten. Die Antwort fiel entwaffnend ehrlich aus: „Nicht besonders viel. Ich spiele so viele Turniere, das ist alles, was ich tue — Poker spielen. Ich bin mit 50 in Rente gegangen und bin jetzt 88.” Damals wusste Bennett zwar, dass er beim ersten PLO-Bracelet-Event antrat, beherrschte das Spiel aber kaum — er lernte es gerade erst.

Ein Finaltisch für die Geschichtsbücher

Umso bemerkenswerter ist, wen Bennett damals bezwang. In einem Feld von 108 Spielern, überwiegend Profis, setzte er sich an einem hochkarätigen Finaltisch durch:

  • Mike Sexton — späterer Poker-Hall-of-Famer und legendäre Stimme des Pokers.
  • Tom McEvoy — ebenfalls späterer Hall-of-Famer und Main-Event-Champion.
  • David Sklansky — einer der einflussreichsten Pokerautoren und Strategen überhaupt.

Drei Tage zuvor war Bennett bereits Vierter im $1.000 Limit Hold’em geworden (11.700 Dollar) — er war schlicht „zum Spielen und Spaßhaben” da und ahnte nichts von der Tragweite des Turniers oder der Klasse seiner Gegner.

Warum ihm das Bracelet egal war

Dass Bennett dem historischen Schmuckstück so wenig Bedeutung beimaß, hat einen nachvollziehbaren Grund: 1984 steckte die WSOP noch in den Kinderschuhen. Für ihn zählte das Preisgeld von 84.000 Dollar weit mehr als die Trophäe. Das Bracelet schenkte er vor Jahren seiner Mutter — wo es heute ist, weiß er nicht. Dabei dürfte das gute Stück als allererstes PLO-Bracelet der Geschichte bei einer Auktion durchaus einen ansehnlichen Preis erzielen.

Wie sehr PLO seitdem gewachsen ist

Kennzahl 1984 (Bennett) 2026 ($1.000 PLO)
Teilnehmer 108 3.733
Siegprämie 84.000 $ 390.300 $
Status des Formats brandneu, kaum bekannt fester Bestandteil der Szene

Die heutige Siegprämie entspricht inflationsbereinigt rund dem Doppelten von Bennetts Gewinn — ein Beleg für das enorme Wachstum des Formats.

Einordnung & Analyse: Ein lebendes Stück Pokergeschichte

Bennetts Rückkehr ist mehr als eine charmante Randnotiz. Erstens verkörpert er den Geist einer Ära, in der Poker noch unschuldiger war: Ein Spieler gewinnt ein historisches Event, ohne das Spiel zu beherrschen oder die Bedeutung zu erfassen — undenkbar in der heutigen, von Solvern und Spezialisten geprägten Welt. Die Geschichte erinnert daran, wie jung die professionelle Pokerszene eigentlich noch ist. Zweitens illustriert der Kontrast der Zahlen den Siegeszug von Pot-Limit Omaha: Von 108 auf 3.733 Teilnehmer in einem 1.000-Dollar-Event — PLO hat sich vom exotischen Nischenspiel zur zweiten Säule des Turnierpokers entwickelt.

Für die heutige Generation ist Bennett ein willkommener Brückenschlag zur Frühzeit der WSOP. Dass ein 88-Jähriger noch immer regelmäßig cashet, ist zudem ein Beleg dafür, dass Poker ein Spiel für jedes Alter bleibt — und dass die Liebe zum Spiel, wie bei Bennett, oft länger hält als die Erinnerung an einzelne Titel. Eine Geschichte, die den menschlichen Kern des Pokers schöner einfängt als jeder Millionen-Score.

Glücksspiel kann süchtig machen. Teilnahme ab 18 Jahren. Spiele verantwortungsbewusst.

JS
Redakteur

Jan Stevens ist Chefredakteur von Poker24.net und berichtet seit vielen Jahren über Live-Poker, Online-Poker, Turnierserien und Glücksspielregulierung. Sein Fokus liegt auf fundierter Einordnung, redaktioneller Transparenz und praxisnaher Analyse. Für Poker24.net verbindet er Branchenwissen, journalistische Erfahrung und klare Meinung zu aktuellen Entwicklungen der Pokerszene.