Daniel Negreanu hat eine Idee ins Spiel gebracht, die bei vielen Pokerfans nostalgische Gefühle wecken dürfte. Der sechsfache WSOP-Bracelet-Gewinner denkt darüber nach, der World Series of Poker für 2027 ein neues Old-School-Event vorzuschlagen: ein „WSOP Classic“ Turnier.
Dabei soll es nicht um ein weiteres modernes High-Roller-Format, ein Bounty-Event oder ein Re-Entry-Turnier gehen. Negreanus Konzept zielt genau in die andere Richtung. Das Event soll sich an der alten WSOP orientieren, bevor spätere Entwicklungen wie riesige Starting Stacks, lange Late Registration, Re-Entries und Big Blind Ante zum Standard wurden.
WSOP Classic soll Poker wie früher zurückbringen
In einem aktuellen Vlog erklärte Negreanu, dass er über ein Turnier nachdenkt, das bewusst an die frühen WSOP-Jahre erinnert. Der Grundgedanke ist simpel: Alle Spieler starten zur gleichen Zeit, niemand kann später einsteigen, niemand kann nach einem Bustout erneut kaufen.
Das geplante Event wäre damit ein klassisches Freezeout. Wer seine Chips verliert, ist raus. Wer nicht rechtzeitig zum Start registriert ist, kann nicht mehr teilnehmen. Genau diese Strenge gehörte früher zum normalen Turnieralltag, ist bei vielen heutigen Großevents aber deutlich seltener geworden.
Negreanu erinnerte daran, dass es früher bei WSOP-Turnieren keine Late Registration gab. Wenn ein Turnier um 12 Uhr begann und ein Spieler nicht angemeldet war, war seine Chance vorbei. Wer bereits gekauft hatte, bekam seine Chips in den Spielbetrieb, auch wenn er nicht am Platz saß.
Keine Re-Entries und keine Late Registration
Der wichtigste Punkt an Negreanus Idee ist die Rückkehr zu einem echten Freezeout-Format. In der modernen Turnierwelt sind Re-Entries und späte Einstiege längst üblich. Viele Events erlauben es Spielern, nach einem frühen Ausscheiden noch einmal zurückzukommen oder erst Stunden nach Beginn einzusteigen.
Das hat praktische Vorteile und sorgt oft für größere Preispools. Gleichzeitig kritisieren viele Spieler, dass dadurch ein Teil des ursprünglichen Turniergefühls verloren geht. Wer sich mehrfach einkaufen kann, spielt anders. Wer spät einsteigt, um bestimmte Blindlevel zu überspringen, verändert ebenfalls die Dynamik.
Ein WSOP Classic würde genau diese Elemente entfernen. Jeder Spieler hätte nur eine Chance, und alle würden unter denselben Bedingungen starten.
Startstack soll dem Buy-in entsprechen
Für noch mehr Old-School-Gefühl brachte Negreanu eine weitere Idee ins Spiel. Der Starting Stack könnte dem Buy-in entsprechen. Bei einem Buy-in von 5.000 Dollar gäbe es also 5.000 Chips. Bei einem Buy-in von 10.000 Dollar wären es 10.000 Chips.
Das klingt aus heutiger Sicht ungewöhnlich, war früher aber deutlich näher am klassischen Turnierstil. Moderne Events arbeiten oft mit sehr großen Startstacks, die den Spielern viel Spielraum geben und die frühen Phasen verlängern.
Negreanus Vorschlag würde dagegen eine kompaktere Struktur schaffen. Natürlich müsste die Blindstruktur entsprechend angepasst werden, damit das Event nicht zu schnell oder zu zufällig wird. Gerade dieser thematische Ansatz macht die Idee aber für viele Pokerfans spannend.
Rückkehr zu einzelnen Antes statt Big Blind Ante
Ein weiterer nostalgischer Punkt betrifft die Antes. Negreanu schlug vor, beim WSOP Classic auf die heute übliche Big Blind Ante zu verzichten. Stattdessen sollten alle Spieler wieder selbst ihre Antes setzen.
Für Dealer wäre das vermutlich weniger angenehm, denn einzelne Antes verlangsamen das Spiel und sorgen häufiger für Korrekturen am Tisch. Für den Old-School-Charakter des Turniers wäre es jedoch konsequent.
Die Big Blind Ante wurde eingeführt, um Turniere schneller und praktischer zu machen. Sie spart Zeit und reduziert Fehler. Trotzdem gehört das manuelle Posten von Antes für viele langjährige Spieler zum klassischen Pokergefühl vergangener Jahre.
Viele Spieler reagieren positiv auf die Idee
Negreanu stellte die Idee zunächst seiner YouTube-Community vor. Die Reaktionen in den Kommentaren fielen laut Bericht überraschend positiv aus. Anschließend holte er auch Meinungen von Spielern ein, darunter Profis aus verschiedenen Generationen.
Brad Owen zeigte sich offen für das Format. Der bekannte Vlogger erklärte, dass er grundsätzlich an neuen Formaten interessiert sei und ein solches Event möglicherweise alle Spieler auf ein ähnliches Spielfeld bringe.
Ari Engel, einer der erfolgreichsten Turnierspieler überhaupt, hob vor allem den Freezeout-Aspekt hervor. Er sprach sich klar für Events ohne Re-Entry aus und erklärte, dass er möglichst viele Freezeouts begrüße.
Auch Mori Eskandani, Mitglied der Poker Hall of Fame, zeigte Sympathie für den Gedanken, Chips in Höhe des Buy-ins auszugeben. Für ihn habe dieser „Par Value“ schon immer Sinn ergeben.
Nicht alle sind begeistert
Ganz einig ist sich die Pokerwelt aber nicht. Jennifer Harman, ebenfalls Mitglied der Poker Hall of Fame, äußerte sich deutlich skeptischer. Sie erklärte, dass sie viele Chips zum Spielen bevorzuge und sich nicht gern früh short fühle. Außerdem nutze sie Late Registration gern.
Diese Gegenposition ist nachvollziehbar. Viele moderne Spieler mögen tiefe Strukturen, größere Stacks und die Flexibilität, später ins Turnier einzusteigen. Besonders bei langen Serien wie der WSOP kann Late Registration helfen, Turniere besser mit anderen Events oder Cash Games zu kombinieren.
Genau deshalb wäre ein WSOP Classic wohl kein Format für jeden. Es müsste auch gar nicht alle Spieler überzeugen. Der Reiz liegt gerade darin, etwas anderes anzubieten als die vielen modernen Turniere im aktuellen WSOP-Kalender.
Warum die Idee gut zur WSOP passen würde
Die World Series of Poker lebt nicht nur von Rekorden, Preispools und großen Teilnehmerzahlen. Sie lebt auch von ihrer Geschichte. Ein Turnier, das bewusst an die alten Tage erinnert, könnte deshalb gut ins Programm passen.
Ein WSOP Classic hätte einen klaren Wiedererkennungswert. Es wäre kein weiterer Eintrag in einer langen Liste ähnlicher No-Limit-Hold’em-Events, sondern ein Format mit eigener Identität. Gerade zum Start der Serie könnte ein solches Turnier Aufmerksamkeit erzeugen und sowohl ältere Spieler als auch neugierige neue Fans ansprechen.
Für Pokerfans wäre es zudem spannend zu sehen, wie moderne Profis mit einer Struktur umgehen, die weniger Komfort bietet und weniger Fehler verzeiht.
Ein nostalgisches Event mit modernem Reiz
Ob Daniel Negreanus Vorschlag tatsächlich in den WSOP-Kalender 2027 aufgenommen wird, ist offen. Die Idee trifft aber einen Nerv. Viele Spieler wünschen sich mehr echte Freezeouts, weniger Re-Entry-Optionen und Turniere, bei denen alle Teilnehmer vom ersten Deal an unter denselben Bedingungen starten.
Ein WSOP Classic könnte genau diese Lücke füllen. Es wäre ein Turnier für alle, die Poker wieder etwas näher an seinen ursprünglichen Turniercharakter rücken wollen: eine Chance, ein Buy-in, keine zweite Kugel und kein später Einstieg.
Sollte die WSOP den Vorschlag aufgreifen, könnte das Event 2027 eines der interessantesten Experimente der Serie werden.
