Es ist eine der schönsten Geschichten der WSOP 2026: Genau 20 Jahre nach seinem Durchbruch als jüngster Player of the Year aller Zeiten gewinnt Jeff Madsen im $1.500 Dealer’s Choice sein fünftes Bracelet — das erste seit elf Jahren. Und der US-Amerikaner hat noch viel mehr vor. Wir blicken auf einen emotionalen Sieg und Madsens offene Worte zu Strategie, Mindset und seiner PoY-Mission.
Das Wichtigste in Kürze
- Jeff Madsen gewinnt Event #20 ($1.500 Dealer’s Choice) und kassiert 161.057 US-Dollar.
- Es ist sein fünftes WSOP-Bracelet — und das erste seit elf Jahren.
- 656 Entries erzeugten einen Preispool von 870.840 Dollar, die Top 99 kamen ins Geld.
- Im Finale setzte sich Madsen gegen seinen Landsmann Philip Wess durch — und nimmt nun den zweiten Player-of-the-Year-Titel ins Visier.
Ein Jubiläum wie aus dem Drehbuch
Vor 20 Jahren kam ein junger Jeff Madsen nach Las Vegas und sammelte seinen ersten Turnier-Cash — Platz drei im $2.000 Omaha Hi-Lo für 97.522 Dollar. Es folgte ein Sommer für die Ewigkeit: über 1,3 Millionen Dollar an Gewinnen, mehrere Final Tables, zwei weitere Bracelets und der Titel als jüngster Player of the Year der Geschichte. Nun, auf den Tag genau zwei Jahrzehnte später, schlug Madsen Philip Wess im Heads-Up und sicherte sich sein fünftes Bracelet. Sein Gesicht prangt längst auf einem Banner im Horseshoe — mit dem allerersten Bracelet in der Hand.
Event #20: $1.500 Dealer’s Choice — Final Table
| Platz | Spieler | Land | Preisgeld |
|---|---|---|---|
| 1 | Jeff Madsen | USA | $161.057 |
| 2 | Philip Wess | USA | $107.341 |
| 3 | Luteng Li | Kanada | $72.042 |
| 4 | Dario Sammartino | Italien | $49.383 |
| 5 | Clayton Mozdzen | Kanada | $34.588 |
| 6 | Kelvin Zhao | USA | $24.766 |
„Ich bin schon ein Gewinner” — Madsens Mindset
Sichtlich bewegt sprach Madsen nach dem Sieg über die Bedeutung des Moments. Es sei sein bestes Spiel der letzten zehn Jahre gewesen, eine große Last sei von ihm abgefallen. Besonders aufschlussreich: seine Worte zum mentalen Spiel. Sobald der Sieg in Reichweite sei, nehme er die Spots beherzter an, die man annehmen solle — nicht aus der Angst „Ich muss diesen Pot gewinnen”, sondern aus der Haltung „Ich bin ohnehin schon ein Gewinner”. Genau dieser Perspektivwechsel, so Madsen, helfe ihm emotional und sorge dafür, dass er keinen Spot verpasse, nur weil er einen Pot nicht verlieren wolle.
Strategie: Warum Stud statt Hold’em
Im Dealer’s-Choice-Format mit 21 wählbaren Spielen verriet Madsen seine bewusste Herangehensweise. Sein Ansatz war klar auf die Stud-Varianten zugeschnitten:
- Schwerpunkt Stud, vor allem Stud Hi-Lo: ein Spiel, das nach Madsens Einschätzung von vielen Gegnern falsch gespielt wird.
- Bewusst wenig Big-Bet-Spiele: Obwohl er PLO und PLO8 gut beherrscht, mied er die großen No-Limit-Formate weitgehend.
- Mehr Reads, mehr Hand-Verlauf: Bei Stud lasse sich über mehrere Straßen deutlich mehr ablesen als in einer einzelnen großen No-Limit-Hand.
- Hold’em als Schlusslicht: seine ausdrücklich am wenigsten favorisierte Wahl im Mix — „wir sind hier nicht für Hold’em”.
Die Rail und die PoY-Jagd
Während das Feld kleiner wurde, bildete sich eine wachsende Rail aus Madsens Freunden — mit Postern, Jubel und einer Atmosphäre, die ihn nach eigener Aussage fokussiert hielt. Mit über 7,2 Millionen Dollar an Karriere-Gewinnen und mehr als 100 Cashes in Bracelet-Events ist Madsen längst eine lebende Pokerlegende. Doch er will mehr: Neben dem Sieg verbucht er bereits einen elften Platz im $5.000 PLO und weitere Cashes — und damit eine starke Ausgangslage im Player-of-the-Year-Rennen.
Einordnung & Analyse: Mehr als Nostalgie
Madsens Sieg ist die Sorte Geschichte, die Poker so erzählenswert macht — aber er ist mehr als reine Nostalgie. Erstens bestätigt er einen Trend dieser WSOP: Die Mixed- und Stud-Formate belohnen Spieler mit echtem Tiefenwissen, während die NLH-Massenfelder eher zur Varianz-Lotterie werden. Madsens bewusster Verzicht auf Big-Bet-Spiele war kein Zufall, sondern Edge-Maximierung. Zweitens zeigt sein Mindset-Ansatz, wie sehr Spitzenpoker heute Kopfsache ist — die Idee, sich bereits als Gewinner zu definieren, ist angewandte mentale Strategie, kein Esoterik-Spruch.
Sollte Madsen tatsächlich 20 Jahre nach seinem ersten PoY-Titel den zweiten holen, wäre das ein in der Pokergeschichte beispielloses Comeback. Seine eigene Ansage — am liebsten drei Bracelets in einem Sommer — ist ambitioniert, aber dieser Lauf ist erst der Anfang der Serie. Für Fans der „alten Garde” ist Madsen 2026 jedenfalls das Storyline-Highlight, das man im Auge behalten sollte.
Glücksspiel kann süchtig machen. Teilnahme ab 18 Jahren. Spiele verantwortungsbewusst.

