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Die besten Schweizer Pokerspieler: Ein Land, das mehr produziert als man denkt

Die Schweiz ist keine Pokernation, die man als Erstes auf der Rechnung hat. Keine Millionenstädte, keine großen Pokerräume, kein kultureller Brennpunkt wie Wien oder London. Und trotzdem — wer die Switzerland All Time Money List des Hendon Mob aufruft, findet mehr als 4.200 Spieler, und an der Spitze einen Mann, der zu den besten Cash-Game-Spielern der gesamten Pokergeschichte zählt.

Linus Loeliger: Der beste Cash-Game-Spieler der Welt?

Linus Loeliger, Jahrgang 1995 aus Zürich, ist der erfolgreichste Schweizer Pokerspieler — und einer der wenigen Spieler, bei dem der Konsens der Pokerszene lautet: Finger weg. Unter dem PokerStars-Nickname LLinusLLove spielte er sich durch die Niederungen von NL10 — dokumentiert in einem legendären Thread auf dem 2+2-Forum aus dem Jahr 2013 — bis an die Spitze der weltweiten High-Stakes-Cash-Game-Szene. 2018 wurde er von einem Profi öffentlich als einer der drei besten 6-Max-No-Limit-Hold’em-Spieler der Welt eingestuft.

Seine Live-Turnierbilanz ist beeindruckend, obwohl sie das kleinere Kapitel seiner Karriere darstellt. Mit über 9,1 Millionen US-Dollar an Turnierpreisgeldern führt er die Swiss All-Time Money List an. Sein bisher größter Cash kam beim 210.000-Dollar-Coin-Rivet-Invitational der Triton Series 2022 in Zypern, wo er 3,9 Millionen US-Dollar für den zweiten Platz kassierte. Loeliger lebt abseits der Kameras. Keine Streams, keine PR, keine Interviews. Er spielt — und meistens gewinnt er.

Dinesh Alt: Schweizer GPI-König 2025

Dinesh Alt war 2025 der konstanteste Schweizer Turnierspieler und führte am Ende des Jahres die Schweizer GPI-POY-Rangliste mit 2.644 Punkten an — was weltweit Platz 222 bedeutete. Online spielt er unter dem Nickname NastyMinder. Sein Profil ist das eines Reisepokerspielers, der auf der globalen Tour präsent ist: APT-Events in Taipei, WSOP-Auftritte, SCOOP-Finaltische. Im Mai 2025 gewann er ein High-Roller-Event der Asian Poker Tour in Taipei. Alt ist kein Name, der in High-Roller-Kreisen für Angst sorgt — er ist ein Name, der für Beständigkeit steht.

Tobias Schwecht: Der technisch sauberste Spieler der Szene

Tobias Schwecht ist gebürtiger Deutscher, lebt aber in Wien und wird für die Zwecke des internationalen Turnierpokerspiels oft im DACH-Kontext genannt. Mit über 4,2 Millionen US-Dollar an Live-Einnahmen ist er einer der stärksten kontinuierlich aktiven Spieler des deutschsprachigen Raums. 2023 gewann er den WSOP Super Circuit London Main Event für 611.614 US-Dollar. 2025 folgten ein APT Super High Roller in Manila, ein Triton-Cash in Jeju für 702.400 US-Dollar und ein PLO-Sieg bei der EPT Barcelona — sein GPI-Score von 3.067 Punkten brachte ihm Platz 3 der deutschen POY-Wertung ein. Sein Spielstil gilt als GTO-basiert und hochdiszipliniert, er ist einer der schwierigsten Gegner im europäischen High-Roller-Feld.

Maureen Bloechlinger: Die meistgereiste Spielerin der DACH-Region

Maureen Bloechlinger ist eine der bemerkenswertesten Spielerinnen der Schweizer Szene — nicht nur wegen ihrer Ergebnisse, sondern wegen ihrer Reichweite. Im Hendon-Mob-Flag-Hunter-Ranking 2025, das Spieler nach der Zahl der verschiedenen Länder bewertet, in denen sie gecasht haben, erreichte sie 15 verschiedene Länder — der beste Wert einer Frau in der DACH-Region. Sie verkörpert das, was professionelles Reisepoker heute bedeutet: konstante Präsenz auf Turnieren in aller Welt, ohne sich auf einen einzigen Markt zu beschränken.

Yannick Jobin und Marco Meisser: Das Verfolgerfeld

Yannick Jobin landete 2025 auf dem zweiten Platz der Schweizer GPI-POY-Wertung mit 2.125 Punkten und globaler Rangnummer 586. Marco Meisser vervollständigte das Podium mit 1.678 Punkten. Beide Spieler zeigen, dass die Schweizer Szene über Loeliger und Alt hinaus Tiefe hat — auch wenn der Abstand zur europäischen Weltklasse noch erheblich ist.

Warum die Schweiz funktioniert

Die Schweiz hat keine dominierende Pokermetropole und keine natürliche Pokerkultur wie bestimmte andere europäische Länder. Was sie hat, sind eine hohe Kaufkraft, die es Spielern ermöglicht, die Startgelder für internationale High-Stakes-Turniere aufzubringen, eine solide Online-Community, die Nachwuchs entwickelt, und — im Fall von Loeliger — einen Spieler, der das Land in der globalen Rangordnung weit über seinen geographischen Proportionen repräsentiert. Nicht jede Nation braucht zehn Weltklassespieler. Manchmal reicht einer, der zu den Besten zählt.

JS
Redakteur

Jan Stevens ist Chefredakteur von Poker24.net und berichtet seit vielen Jahren über Live-Poker, Online-Poker, Turnierserien und Glücksspielregulierung. Sein Fokus liegt auf fundierter Einordnung, redaktioneller Transparenz und praxisnaher Analyse. Für Poker24.net verbindet er Branchenwissen, journalistische Erfahrung und klare Meinung zu aktuellen Entwicklungen der Pokerszene.