All-In Wahrscheinlichkeiten auf dem Flop

4 könige

„All-In“ ist das Kommando, das den größten Adrenalinschub am Pokertisch auslösen kann. Mit einem All-In kannst du auch einen selbstsicheren Gegner aus der Reserve locken. Vielleicht bist du aber auch das Opfer, denn wenn ein schneller Call kommt, hast du wahrscheinlich schlechte Gewinnchancen.

 

In vielen anderen Situationen wirst du aber derjenige sein, der sich darüber Gedanken machen muss, ob es sinnvoll ist, ein All-In zu callen. Wenn du callst und dann feststellen muss, dass du die schlechtere Hand hast, ist das ein sehr unangenehmes Gefühl. Dennoch geht es beim All-In und beim Callen eines All-In nicht immer darum, die beste Hand zu haben.

 

Die Situation auf dem Flop richtig verstehen

Auf dem Flop stellt sich die Situation so dar, dass 3 Karten auf den Tisch liegen und noch 2 weitere Karten (Turn und River) folgen werden. Es ist also mitnichten so, dass das Spiel schon entschieden wäre, ganz gleich, welche Karten du hältst oder dein Gegner hält. Es gibt nur eine einzige sichere Chance, das Spiel auf dem Flop zu gewinnen: Dein Gegner passt. Wenn dein Gegner callt, hat er immer eine Chance, vielleicht auch nur eine kleine. Wenn du aber schon eine Weile Poker spielst, wirst du wissen, dass auch kleine Chancen in der Realität immer wieder zu großen Gewinnen bzw. zu großen Verlusten führen.

 

Beim Pokern geht es nicht darum, jedes einzelne Spiel zu gewinnen. Es geht immer darum, auf der richtigen Seite der Wahrscheinlichkeit zu stehen.

 

Was das in der Praxis bedeutet, schauen wir uns zunächst einmal für den Fall an, dass du derjenige bist, der nach einem All-In callen oder passen muss. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass kein anderer Spieler mehr im Spiel ist. Du hast einen Flush Draw (mit niedriger Starthand) und bist sicher, dass der Gegner mindestens ein Overpair hat. Du kannst also nur gewinnen, wenn du den Flush auf Turn oder River vollendest.

 

Im Kartendeck sind maximal (dein Gegner könnte auch Karten haben, die dir helfen) noch 9 Outs, die deinen Flush vervollständigen. Nach einer einfachen Faustformel, die du dir unbedingt merken solltest, kannst du nun die Wahrscheinlichkeit, einen Flush zu bekommen, wie folgt berechnen:

 

Flush-Wahrscheinlichkeit = 4 * 9 Outs = 36 Prozent.

 

Wenn wir das Beispiel ein wenig abstrahieren, kommen wir zu folgender Formel:

 

Gewinnchance = 4 * [Zahl der Outs] = X Prozent

 

Du musst in einer solchen Situation also lediglich zählen, wie viele Karten noch im Stapel sind, die dir den Sieg bringen, und die Formel anwenden. Du solltest allerdings sehr sicher sein, dass diese Outs tatsächlich zum Gewinn führen, denn es nutzt dir überhaupt nichts, wenn du deine Hand vervollständigst, aber dein Gegner trotzdem eine bessere Hand hat. Das klassische Beispiel dafür ist, dass du einen Straight vervollständigt, während dein Gegner einen Flush erreicht. Deswegen sind Straights bzw. Straight-Draws beim Poker immer dann sehr problematisch, wenn gleichzeitig auch ein Flush möglich ist.

 

Die Gewinnwahrscheinlichkeit alleine reicht nicht – Pot Odds berechnen

Um zu beurteilen, ob ein Call sich lohnt, mussten nicht nur wissen, wie Deine Gewinnchance ist, sondern du musst auch die Pot Odds kennen. Die Pot Odds werden folgendermaßen berechnet:

 

Pot Odds = [Einsatz] geteilt durch [Gesamtpot nach Einsatz]

 

Beispiel: Der Pot beträgt 100 Euro nach dem All-In. Du musst 50 Euro in den Pot legen, um zu callen. Demnach betragen die Pot Odds: 50 Euro geteilt durch 150 Euro = 33,3 Prozent. Die Pot Odds sind demnach niedriger als deine Gewinnchance und ein Call lohnt sich.

 

REGEL: Ein Call lohnt sich bei einem All-In immer dann, wenn die Pot Odds kleiner sind als die Gewinnchance (Odds).

 

Umgekehrte Situation: Du gehst All-In

Wenn du All-In gehst, gelten im Grundsatz die gleichen Spielregeln wie beim Callen. Es gibt allerdings einen ganz gewichtigen Unterschied, der das All-In zu einem attraktiven strategischen Mittel macht: Die meisten Spieler passen deutlich häufiger als die Pot Odds und die Odds vorgeben. Der psychologische Effekt beim All-In ist immens stark, so dass du besonders gegen unerfahrene Spieler, die vielleicht zum ersten Mal um Geld spielen, mit einem All-In sehr viel Eindruck machen kannst. Unter dem Strich wirst du als aktiver All-In-Spieler häufiger gewinnen als es deine Karten eigentlich erlauben.

 

VORSICHT!

 

TIPP 1: Diese Strategie funktioniert nicht gegen gute Spieler, denn jeder gute Pokerspieler wird dich (bei Cash Games) immer callen, wenn die Pot Odds günstig sind.

 

TIPP 2: In Cash Games sind All-Ins wesentlich gefährlicher als in Turnieren. In einem Turnier ist ein Call meist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden, eventuell sogar mit dem Turnier-Ende. Deswegen werden viele Spieler auf einen Call verzichten, obwohl die Pot Odds gut sind. Auch bei Sit ‘n’ Gos sind die Pot Odds bei einem All-In auf dem Flop nicht ausreichend zur Beurteilung der Lage. Stattdessen musst du in solchen Situationen auf das Independent Chip Model zurückgreifen.

 

Cash Games sind (mathematisch) einfacher als Turniere

Viele Pokerspieler lieben Turniere, aber Cash Games sind für Einsteiger wesentlich besser geeignet, da die Mathematik deutlich unkomplizierter ist. Wenn du Odds und Pot Odds verstehst und anwendest, kannst du relativ schnell das Einsteigerniveau meistern und dich mit besseren Spielern in höheren Limits messen. Die Wahrscheinlichkeiten (Odds) und die Pot Odds sind das Handwerkszeug für jeden Pokerspieler. Erst wenn du diese beiden Disziplinen gemeistert hast, kannst du dich komplexeren Strategien zuwenden.

 

Dieses Mal ging es um die Situation auf dem Flop, aber demnächst kümmern wir uns auch darum, was du beim All-In auf dem Turn oder River beachten musst.

 

Ganz am Ende möchten wir dir noch eine kleine Tabelle an die Hand geben, mit der du auf einen Blick einigte typische All-In-Wahrscheinlichkeiten auf dem Flop ermitteln kannst.

 

Unser Tipp: Berechne deine Gewinnwahrscheinlichkeit zunächst mit der oben vorgestellten Outs-Formel und kontrolliere dein Ergebnis dann in der folgenden Tabelle (die Werte passen selten exakt, da mit den Outs nicht alle Gewinnchancen abgedeckt werden):

 

Spieler 1

Spieler 2

Gewinnchance

Spieler 1 

Gewinnchance

Spieler 2

Flush Draw

Drilling

25 %

75 %

Flush Draw

(mit höherer Karte als Flop)

Top Pair

50 %

50 %

Flush Draw

(keine Karte höher als Flop)

Top Pair

38 %

62 %

Straight Draw

(open ended,

keine Karte höher als Flop)

Top Pair

35 %

65 %

Straight Draw

(open ended) + Flush Draw

Top Pair

55 %

45 %

Top Pair + Top Kicker

Top Pair + schlechtere Beikarte

87 %

13 %

Top Pair + Top Kicker

Zwei Paare (die beiden Top-Paare)

16 %

84 %

Top Pair

Zwei höhere Karten (kein Paar)

75 %

25 %