Die Höhe der Einsätze im Texas Hold'em Poker

chip stappel

"Was bin ich für ein Unglücksrabe" erzählt Michael. "Wir haben mit Freunden Texas Holdem gespielt. Die ganze Zeit kam Nichts, und dann bekomme ich auf einmal Asse, also hab ich schön vorsichtig gespielt und auf dem River dann All-in. Und was passiert? Ich verliere...". "Du bist kein Unglücksrabe, Michael, du bist einfach nur dumm. Komm, ich erklär dir das mit dem Setzen", lacht Michaels Freundin. Damit Sie ähnliche Situationen vermeiden, sollten wir die ideale Höhe der Einsätze lieber erklären.

 

Beginnen wir mit der Grundregel: Niemals in hohe Pots mit einer niedrigen Hand einsteigen. Es ist nicht nötig, den Gegnern vorher mitzuteilen, dass Sie eine gute Hand haben, wenn Sie um einen großen Pot spielen wollen...

 

Wörterbuch

  • Bad Beat – eine Niederlage mit einer starken Hand.
  • Loose – ein Spieler der relativ viele Hände spielt. Mehr darüber können Sie in unserem Artikel über die verschiedenen Spielertypen lesen.
  • Set – ein Drilling.
  • Under the gun – der erste, der vor dem Flop setzt, er sitzt zur Linken des Big Blinds.

 

Preflop Raise

Ein passendes Raise vor dem Flop ist ein Raise auf 2 bis 4 Big Blinds. Dieser Betrag erstellt Pot Odds von 1:3 und verdrängt normalerweise Bluffer und Abenteurer aus dem Pot. Dadurch haben Sie auch die Chance, die Blinds und Limps zu stehlen ohne einen großen Widerstand und verringern zudem das Risiko eines möglichen Bad Beats.

Bislang interessieren Sie die Stackgröße ihrer Gegner nicht. Trotzdem kann es Sie aber beeinflussen, wenn Sie oder der Gegenspieler auf dem Short Stack sind. Falls man nämlich zu wenige Chips hat, damit das Raise überhaupt effektiv ist, ist es besser gleich all-in zu gehen.

 

Wenn Sie mit einem mittleren oder niedrigen Paar raisen und versuchen, auf dem Flop ein Set zu treffen, ist es relativ wichtig, dass die Stacks groß sind (es ist empfehlenswert so zu setzen, dass die Möglichkeit einer Verfünfzehnfachung der Wette besteht). Dan Harrington, der Autor einer der anerkanntesten Poker Bücher überhaupt, empfiehlt Paare, die niedriger als Siebener sind, zu folden und Achter und Neuner nur aus später Position zu spielen. Falls nämlich jemand reraist, müssen wir dann meistens folden und verlieren somit einige Chips.

 

Das interessante Spiel des Chris Ferguson

Chris ist einer der besten Spieler auf der Welt. Beim Setzen orientiert er sich ebenso wie die meisten erfahreneren Spieler an mehreren Punkten als nur der Stärke seiner Karten, was allerdings nicht bedeutet, dass er Dreck spielt. Aus erster Position (under the gun, UTG +1) empfiehlt er ein Raise auf 2 Big Blinds, was ein Bisschen weniger ist. Er tut dies deshalb, damit er die Stärke seiner Karten verschleiert (über das Lesen von Wetten werden wir in den nächsten Teilen unserer Serie reden). Aus UTG spielt man nämlich nur die besonders starken Kombinationen. Aus mittlerer Position raist er auf 2,5 BB und aus später, wo er Einiges spielen wird, nur auf 2 BB. Kennen Sie einen Spieler mit einem besseren Image? (Das Table Image haben wir beim letzten Mal besprochen).

 

Mehrere Spieler callen das Raise

Dafür existieren zwei mögliche Gründe: Entweder haben Sie ein falsches Image, oder sind die anderen Spieler sehr Loose (vielleicht auch Beides). Sie können ihr Raise auf 4 BB vergrößern, oder sogar noch mehr. Noch wirkungsvoller ist es, sich lediglich auf sehr hochwertige Karten zu beschränken und somit sehr tight zu spielen.

 

Re-raise

Ein Re-raise vor dem Flop verdoppelt normalerweise die Höhe des Raises. Manche Spieler setzen allerdings den ganzen Pot (siehe später).

 

Flop

Die Stärke der meisten Hände hängt vom Flop ab. Entweder Sie treffen etwas, oder nicht. Je nach der Stärke ihrer Hand können Sie dann versuchen, den Pot klein zu halten, oder ihn wiederum zu vergrößern. Dies ist natürlich aus später Position einfacher.

 

Sollte uns vor dem Flop die Höhe des Big Blinds interessiert haben, können wir sie jetzt komplett vergessen. Viel wichtiger ist nun die Höhe des Pots. Eine sinnvolle Wette liegt hierbei im Bereich von 50-100% des Pots – diese Summe sollte dann die Mehrheit der Gegner respektieren.

 

Merken Sie sich, je höher die Wette, desto schlechter wird das Verhältnis des potentiellen Gewinns zum Einsatz der gegnerischen Chips. Wenn Sie also wollen, dass er selbst setzt, sollten Sie eher weniger wetten. Wenn Sie ihn hingegen verscheuchen wollen, sollten Sie keine Angst haben, ihre Chips in Bewegung zu setzen. Deswegen ist es nicht ganz unwichtig, das Prinzip von Pot Odds zu studieren und dem Gegner eben jene bieten, die ihn dazu bewegen, das Spiel fortzusetzen. Merken Sie sich hierbei, dass ein Flushdraw auf dem Flop ca. eine 30% Chance hat, sich zu komplettieren, und ein open-ended Straightdraw lediglich um einige Prozent weniger.

 

Beispiele:

Im Pot sind 400 Chips. Sie haben AJ und der Flop kam JJ4. Ihre Hand ist extrem stark und Sie haben keinen Grund, den Gegner zu verscheuchen, der dafür bezahlt hat, diesen Flop zusammen mit ihnen zu sehen. Sie setzen 150 Chips und der Gegner callt ohne lange zu überlegen. Dadurch können Sie ihre Wette auf dem Turn wiederholen und auf dem River einen größeren Betrag gewinnen, als es mit einer hohen Wette auf dem Flop möglich wäre, woraufhin der Gegner wahrscheinlich folden würde.

 

Turn

Mit vier Karten auf dem Tisch und nach zwei Wettrunden haben Sie nun fast jegliche Information, die Sie brauchen. Es sollte daher nicht schwer sein festzustellen, in welcher Situation Sie zurzeit sind:

  1. Sie haben die beste Hand. Ihr Ziel sollte es daher sein, einen ordentlichen Pot zu bauen und gegebenenfalls den Gegner davon abzuhalten, seine Draws zu komplettieren. Hierbei ist es wichtig abzuschätzen, was der Gegner hält. Hat er ein Draw? Wetten Sie viel, damit er ordentlich bezahlen muss, um weitere Karten zu sehen. Denkt er, dass er die beste Hand hat? Checken Sie oder callen Sie ein Raise, oder raisen Sie nur sehr wenig, zum Beispiel ein Viertel des Pots und provozieren Sie so ein Re-raise.
  2. Sie denken, Sie haben die beste Hand, sind sich aber nicht sicher. Daher versuchen Sie, einen billigen Showdown zu erlangen. Wieder kann Sie hier eine gute Position retten. Wenn Sie nicht setzen, wird der Gegner dies oft als Zeichen der Schwäche interpretieren und somit auf dem River wetten.
  3. Sie haben nicht die beste Hand, ein letzes Draw kann ihnen allerdings die beste Hand bescheren. Außer Position checken Sie und werden oft folden müssen, wenn der Gegner wettet. In Position sollte es aber reichen, zu checken, und die nächste Karte umsonst zu sehen.

Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten, wie Sie es vermeiden können, dass ihre Wetten leicht lesbar sind. Entweder können Sie immer gleich setzen, wie Chris Ferguson, oder eben immer unterschiedlich. Über das Lesen von Einsätzen werden wir mehr im nächsten Artikel erfahren.

 

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